7. Weihnachten und Neujahr bei 27 Grad?

Hallo ihr Lieben,

Heri ya krismasi na heri ya mwaka mpya! Natumai nyote hamjambo na mlikuwa na siku nzuri za bure!

Fröhliche Weihnachten und ein gutes neues Jahr! Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr hattet ein paar schöne freie Tage!

Es gibt mal wieder viel zu erzählen!

Ein Weihnachten ohne Traditionen

Weihnachten und Silvester sind für mich eigentlich eine der intensivsten Familienzeiten, dieses Jahr blieb das aber aus. Auch die Vorweihnachtszeit war komplett anders. Keine Weihnachtsmärkte, keine Plätzchen, kein Sonntagskaffee mit Punsch, kein Einmummeln, kein Ofenfeuer, kein Kuscheln mit Decke und Tee auf dem Sofa. All diese Traditionen waren dieses Jahr nicht da.

Was wir aber unbedingt wollten, war ein Adventskranz bei uns zuhause, einfach um ein bisschen Weihnachtsstimmung zu bekommen. Also haben wir einen sehr improvisierten Kranz gebastelt.

Dieses Jahr war einfach alles anders. Es war das erste Mal, dass ich Weihnachten nicht bei meiner Familie war. Das erste Mal ohne Glöckchen, ohne Gottesdienst Marathon im Ministrieren und ohne Geschenke innerhalb der Familie.

Seit fast vier Monaten bin ich nun über 10.000 Kilometer von zuhause entfernt. Und trotzdem bin ich immer noch so aufgeregt und glücklich wie an Tag 1. Genau deshalb war auch dieses Weihnachten, obwohl ich kein bisschen in Weihnachtsstimmung kam, unglaublich schön. Weil ich es mit meiner neuen Familie in Rulenge gefeiert habe💛

Heiligabend in Tansania

Der 24. war ziemlich stressig und wuselig. Einkaufen, kochen, putzen und vorbereiten standen auf dem Plan. Für die Zeit hatten wir Besuch von Leni und Jason aus Muleba. Morgens habe ich mit einer Schwester Zimtschnecken und Kuchen gebacken, den ich nachmittags ins Angels Home gebracht habe, um den Kindern eine kleine Freude zu machen.

An diesem Tag kam auch eine große Familie im Waisenhaus vorbei, die jedes Jahr am 24. Geld, Essen und Windeln spendet. Ich durfte sie kennenlernen und das war echt total schön.

Abends gab es dann ein großes Weihnachtsessen, bevor wir um 20 Uhr in die Christmette gegangen sind.

Die Messe war sehr schön und besinnlich, aber selbst beim Gloria kam bei mir keine Weihnachtsstimmung auf. Ich saß mit Kleid und offenen Schuhen in der Kirche, das hat einfach nicht so ganz zusammengepasst.

Ein riesengroßes Geschenk für mich war, dass ich Taufpatin eines Babys aus dem Angels Home geworden bin, das ich die letzten Wochen im Krankenhaus sehr stark begleitet habe. Als die Schwestern mich gefragt haben, war ich unglaublich berührt, dankbar und total glücklich.

Weihnachtstage voller Begegnungen

Nach der Messe haben wir noch mit den Seminaristen gefeiert, bevor wir spät und totmüde ins Bett gefallen sind. Am nächsten Morgen ging es früh wieder in die Messe. Auch diese war total besonders, mit toller Musik, schönen Gebeten und noch schöneren Begegnungen danach.

Mittags war ich im Angels Home zum gemeinsamen Essen mit den Schwestern eingeladen. Es war einfach schön, sich so als Teil der Familie zu fühlen. Nachmittags habe ich noch mit den Kindern gespielt. Abends ging es dann mit Philippa ins Barikiwa zum Abendessen. Auch da haben wir wieder super viele Menschen getroffen, mit denen wir uns dann unterhalten haben.

Am 26. durfte ich nochmal etwas ganz Besonderes erleben. Über 20 Schwestern aus dem Bernadette Orden (die Schwestern aus dem Angels Home) haben den Gottesdienst musikalisch begleitet. Sie haben gesungen und getanzt und ich war einfach mitten drin. Es war ein unglaublich schönes Erlebnis und es hat mir mal wieder gezeigt, wieso ich das Leben hier so liebe. Alles ist einfach so leicht, man macht einfach mal, ohne viel nachzudenken. 

Mittags hatten wir dann noch Besuch von zwei Freundinnen. Es ist total schön zu merken, wie viel mittlerweile auf Kiswahili möglich ist. Alle Gespräche kann ich führen und wenn Wörter fehlen, helfen Hände, Füße oder der Google Übersetzer.

Die Tage danach waren weiterhin gut gefüllt. Freunde treffen, Zeit mit den Seminaristen, backen, kochen, Marktbesuche, Mittagessen beim Bischoff und viel Zeit bei den Schwestern und Kindern.

Die Seminaristen sind seit dem 29. in den Ferien, was sich ziemlich ungewohnt und leise anfühlt. Sonst werde ich täglich um 6:30 Uhr mit singen der Seminaristen geweckt, gehe aus dem Haus und werde mit lauten Stimmen begrüßt. Mit ihnen hat man einfach immer Spaß und plötzlich war alles still ums Haus rum. Der Abschied ist mir dann auch echt schwer gefallen, weil mir alle mittlerweile so stark ans Herz gewachsen sind und wir einfach einen ganz große Familie sind.

Silvester in Rulenge

Silvester haben wir in Rulenge verbracht.

Am 31. haben wir noch gearbeitet, waren abends mit Freunden im Barikiwa und danach in der Messe Auch dieses Silvester war ganz anders und trotzdem unglaublich schön. Einfach gut, entspannt, fröhlich, lustig und mit tollen Gesprächen. Ganz auf die tansanische Art und Weise. Es war ein total tolles Erlebnis, denn die Messe begann um 10:30 und ging bis nach Mitternacht. Um kurz vor 12 Uhr haben alle angefangen zu singen, tanzen, klatschen und um Punkt sind alle echt ausgerastet, haben laut gerufen und alle haben einfach zusammengefeiert. Alle sind rumgelaufen und haben sich ein frohes Neues Jahr gewünscht. Total ungewohnt, aber richtig richtig schön! Es war auch total seltsam meiner Familie dann schon frohes Neues Jahr zu wünschen, während ich schon in 2026 war und sie noch 2 Stunden warten mussten.

Den 1. haben wir dann ganz entspannt verbracht. Wir haben lange gefrühstückt, natürlich mit Neujahrsbrezel, die ich am Tag davor gebacken hatte, und mit Mangomarmelade, die ich auch selbst gekocht habe. Danach haben wir einen langen Spaziergang gemacht und mittags sowie abends habe ich mich wieder mit meinen Freunden getroffen.

Ein weiteres großes Highlight war das tansanische Kochen mit meiner Freundin. Wir haben Kochbanane und Fleisch mit Tomaten/Karottensauce gekocht. Das war super lustig, mega lecker und mein Mentor war auch sehr begeistert, als er fürs Mittagessen vorbeikam.

Bananen schälen (deutlich schwerer als gedacht und es aussieht)

Meine persönlichen Gedanken

Ihr wisst, wie wichtig mir Transparenz ist, deshalb möchte ich zum Schluss noch ein paar sehr persönliche Gedanken mit euch teilen.

Ich kann es nur wieder sagen, die Zeit rennt. Ich erlebe hier tagtäglich so viel, dass ich oft gar nicht hinterherkomme. 89 ungelesene WhatsApp Chats, keine „freien Termine“ für Telefonate und kaum Zeit, einfach mal nichts zu tun. Manchmal ist das alles dann doch einfach zu viel, auch wenn ich mich über jeden einzelnen Besuch und jede Begegnung freue. Trotzdem erinnere ich mich an keinen Tag, wo ich einfach mal einen Tag nur zuhause war und gefaulenzt habe.

Dazu kommt der Sprachprozess. Ich habe Kiswahili zwar relativ schnell gelernt, aber ich lerne jeden Tag so viel Neues dazu. Vieles davon verarbeitet mein Kopf erst nachts. Das ist auf der einen Seite total cool und schön, auf der anderen Seite aber auch anstrengend, weil ich selbst nachts dann nicht immer richtig zur Ruhe komme.

Und dann gibt es da noch etwas, das mich in den letzten Wochen sehr beschäftigt und das ich gar nicht so leicht in Worte fassen kann. Ich fühle mich hier unglaublich wohl und habe kaum Heimweh, nicht einmal nach meiner Familie, obwohl ich eigentlich ein totaler Familienmensch bin. Gleichzeitig fühlt sich mein Zuhause in Deutschland manchmal seltsam weit weg an, fast schon fremd. 

Ich habe das Gefühl, dass ich mich gerade stark verändere und eine neue Seite an mir kennenlerne. Dass ich hier Seiten ausleben kann, die ich in Deutschland auf diese Art und Weise nicht ausleben konnte. Nicht im negativen Sinne, eher ungewohnt und sehr irritierend machend. Ich dachte immer, diese Erkenntnis kommt erst am Ende meines Jahres hier, aber sie ist schon jetzt da. Und genau das gehört gerade ganz intensiv zu meiner Zeit und meiner Erfahrung hier dazu, deshalb war es mir wichtig das zu teilen. 

Zurzeit wünschte ich mir, ich könnte die Zeit einfach mal anhalten. Die Zeit vergeht viel zu schnell. Ganz bald ist schon Halbzeit😢

Ich habe hier die beste Zeit meines Lebens und möchte, dass das so lange wie nur möglich so bleibt!!!

Sodele, jetzt habe ich wieder viel erzählt und jetzt noch richtig schöne Nachrichten zum Schluss: In zwei Tagen kommt meine Familie. Ich freue mich so unglaublich, ihnen alles zu zeigen, ihnen alle vorzustellen und sie wiederzusehen. Aber auch da ist es sooo verrückt, wie schnell die Zeit verflogen ist.

Nur noch 2 Tage!!!🥳🥳

Nach einer großen Reise mit meiner Familie geht es dann für mich weiter ins Zwischenseminar nach Bagamoyo.

Deshalb werde ich mich erstmal eine Weile nicht melden. Mir war es aber wichtig, jetzt nochmal zu schreiben.💛

Alles Liebe an euch, bleibt gesund und munter.

Fühlt euch gedrückt.😘

Liebste Grüße aus Tansania

Kommentare

3 Antworten zu „7. Weihnachten und Neujahr bei 27 Grad?“

  1. Avatar von marionparsch

    Wirklich ein sehr eindrücklicher Bericht. Schön, dass du uns so teilhaben lässt an deinen Erlebnissen. Und auch schön, dass du deine Gedanken teilst. Da hast du viel mit deiner Familie zu bereden.
    Ich wünsche dir , dass du den richtigen Weg für dich findest.
    Marion

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    1. Avatar von jzoellerka
      jzoellerka

      Vielen Dank dir!!

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  2. Avatar von loudlychief2c32b18620
    loudlychief2c32b18620

    Liebe Joana,

    bewusst spreche ich dich mit diesem Namen an, denn das ist dein neues Leben in Afrika, das, laut deinen Berichten und Fotos, so einzigartig ist, wie auch du einzigartig bist.
    Ich denke, dein Lebensgefühl wird durch deine wunderbare Umgebung, die andere Kultur und deine wichtigen täglichen Arbeiten so befeuert, dass du einfach glücklich bist und dich von diesem Gefühl getragen fühlst.
    Ich wünsche dir, dass du dieses Lebensgefühl in Deutschland weiter leben kannst.

    Genieße nun die Zeit mit deiner Familie und habe noch eine glückliche Zeit Tag für Tag in Afrika.

    Und Dankeschön für deine wunderbaren Berichte und Fotos.

    Herzlichst 🌟 Roswitha

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