Autor: jzoellerka

  • Liebes Tansania,

    ich könnte Stunden damit verbringen, Fotos und Videos von diesem Jahr herauszusuchen. Und trotzdem könnte kein Video jemals zeigen, was diese Zeit wirklich für mich war.

    Wenn ich mir die Aufnahmen anschaue, muss ich lachen und weinen zugleich. Ich erinnere mich an so vieles. Daran, wer neben mir war, worüber wir gelacht haben, wie sich die Luft angefühlt hat, welche Geräusche um mich herum waren. Und vor allem daran, wie ich mich gefühlt habe.🫶

    Aber dieses Jahr passt nicht in sieben Minuten. Und auch nicht in 2h. Und eigentlich auch nicht in Worte.

    Denn was von diesem Jahr bleibt, sind nicht die Fotos und Videos.

    Es sind die langen Abende und tiefen Gespräche. Das tägliche Lachen. Die Gerüche, die Geräusche und all die kleinen Dinge, die irgendwann ganz selbstverständlich geworden sind.

    Es sind aber auch die schwierigen Tage. Die Momente, über die ich nie gesprochen habe. Die Gedanken, die ich für mich behalten habe. Und die Tage, an denen ich einfach weitergemacht habe.

    Und dann sind da vor allem die Menschen.

    Menschen, die ich vor einem Jahr noch nicht kannte und die heute einen Platz in meinem Herzen haben, den ich nicht mehr hergeben möchte.

    Menschen, mit denen aus Fremdheit Vertrautheit wurde. Aus Begegnungen Erinnerungen. Und aus einem Ort, an dem ich eigentlich nur für eine gewisse Zeit leben wollte, ein Stück Zuhause.

    Und vielleicht war genau das das Schönste an diesem Jahr: dass ich in all dem Neuen etwas gefunden habe, das sich plötzlich ganz vertraut angefühlt hat. Eine Nähe, mit der ich nie gerechnet hätte. Ein Gefühl, das ich nicht geplant hatte. Ein ganz besonderer Mensch, der dieses Jahr auf eine Weise geprägt haben, für die ich wahrscheinlich nie die richtigen Worte finden werde.❤️

    Es gab so viele Momente, in denen ich einfach dastand und dachte:

    Ich bin wirklich hier. Und es fühlt sich so verdammt richtig an.

    Genau das sind die Erinnerungen, die für immer bleiben.

    Die Momente, in denen ich nicht am Handy war. Nicht darüber nachgedacht habe, wie ich diesen Moment festhalten könnte. Sondern einfach 1000 % dort war.

    Die Momente, die keine Kamera festhalten kann.

    Die nur in meinem Kopf und in meinem Herzen existieren.

    Sieben Minuten für ein ganzes Jahr. Und ein ganzes Jahr fürs Leben.

    Manche Erinnerungen gehören nicht auf eine Festplatte. Manche gehören einfach ins Herz. Und meins ist voller als je zuvor.

    Asante sana Tansania. Vielen Dank.

    Für ein Zuhause, das ich nie erwartet hatte. Für Menschen, die ich nie vergessen werde. Für all die Momente, die mich verändert haben. Für wunderbare Erinnerungen, die ich für immer bei mir tragen werde.

    Asante sana Tanzania. 🇹🇿❤️

    Ein Teil von mir wird immer bei dir bleiben.

    Nakupenda milele milele, Tanzania. 🇹🇿Na siku moja nitarudi tena, na safari hii nitabaki mileleee. ❤️

    Ich liebe dich für immer, Tansania. Und eines Tages komme ich zurück und bleibe für immer. 🫶

    In Liebe,

    deine Joana 💃🇹🇿

    Ein kleiner Nachtrag, weil ich gerade ganz schrecklich dolle Heim- oder Fernweh habe, je nachdem wie man es nimmt❤️

  • Und plötzlich wieder zurück!!??

    Und plötzlich wieder zurück!!??

    Ich sitze gerade im Zug nach Budapest und ziehe für mein Medizinstudium um. Das klingt total verrückt und ehrlich gesagt denke ich das auch immer noch. Aber gleichzeitig habe ich mich noch nie so sehr darauf gefreut, zu lernen. Ich will endlich, dass es losgeht.

    Trotzdem habe ich mit Tansania noch lange nicht abgeschlossen. Ich glaube, ich habe noch längst nicht alles verarbeitet und vieles davon wahrscheinlich noch nicht einmal richtig verstanden. Also dachte ich mir auf dieser elf Stunden langen Zugfahrt, dass ich die Zeit nutzen könnte, um meinen (vorerst) letzten Blogpost zu schreiben.

    Nur kurz war ich in Deutschland: Familie und Freunde treffen, auspacken, waschen, wieder einpacken. Es fühlte sich an wie ein Zwischenstopp zwischen zwei riesigen Dingen. Zwischen einer Erfahrung, die mich tief geprägt und verändert hat, und einer nächsten großen Herausforderung, die meine Zukunft bestimmen und mich in den kommenden Jahren weiter wachsen lassen wird.

    Ein Zwischenstopp zwischen drei verschiedenen Leben.

    Doch eigentlich soll es in diesem Blogpost um die letzten drei Wochen in Tansania, meine Rückreise und das Ankommen in Deutschland gehen. Deshalb gehe ich erst einmal ein paar Schritte zurück.

    Meine letzte Zeit in Tansania

    In meinem vorletzten Post habe ich davon geschrieben, wie ich auf Reisen war und was ich dort alles erlebt habe. Und dann habe ich gesagt: Meine letzten drei Wochen in Rulenge haben begonnen. Diese drei Wochen haben sich einerseits unendlich lang angefühlt und andererseits so, als wären sie nie da gewesen.

    Mein Mentor hatte ein komplettes Abschiedsprogramm für mich organisiert und ist jeden Tag mit mir in ein anderes Dorf, eine andere Stadt oder eine andere Gemeinde gefahren, damit ich mich von allen verabschieden konnte. Einerseits war das natürlich unglaublich lieb gemeint und ich habe mich auch total darüber gefreut. Andererseits war es auch ziemlich anstrengend. Fast zwei Wochen lang jeden Tag aufs Neue an meinen Abschied denken zu müssen, war nicht leicht. Ich glaube, ihr konntet aus meinem letzten Post schon entnehmen, wie schwer mir das gefallen ist.

    Also habe ich einfach versucht, das Beste daraus zu machen und unterwegs zu sein. Ich wollte mich ablenken. Ich wollte nicht jeden Tag daran erinnert werden und schon gar nicht wollte ich mich ständig damit beschäftigen, sondern die Zeit in vollen Zügen genießen.

    Ich wurde zu Feiern eingeladen, war bei der 70-jährigen Jubiläumsfeier von Schwester Veronica, die damals den Orden mitgegründet hat und mittlerweile 94 Jahre alt ist. Ich war mit den Schwestern in verschiedenen Dörfern zum Beten. Ich habe unglaublich viel gearbeitet, viel operiert und Patient:innen behandelt. Mit meinen Arbeitskollegen habe ich zwischen Nachtschicht, OP und Morgenschicht die WM auf Krankenbetten geschaut. Ich war mit Kivuko, der Gesundheits-NGO, unterwegs, bin jeden Tag zur Messe gegangen und habe meinen Alltag noch bewusster gelebt als ohnehin schon.

    Ich bin wandern gegangen, habe alle möglichen Menschen und Freund:innen besucht, war im Barikiwa essen und habe gelernt, noch mehr tansanisches Essen zu kochen. Ich habe ganz viel Zeit im Angels Home verbracht und wunderschöne Momente und Abende mit den Seminaristen erlebt.

    Und trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht und ich gar nicht mehr hinterherkomme. Ich schlief kaum noch durch, ich war so traurig, hatte ständig etwas zu tun und kam nie wirklich zur Ruhe. Irgendwann wollte ich einfach, dass dieses ganze Abschiednehmen endlich vorbei ist. Ganz oder gar nicht.

    Vielleicht klingt es widersprüchlich, dass ich in diesen letzten Wochen jeden Moment ganz bewusst genießen wollte und gleichzeitig überhaupt nicht zur Ruhe kam. Aber genau so fühlte es sich an. Ich wusste, dass aus Alltag bald Erinnerung werden würde, und wollte deshalb nichts verpassen. Plötzlich waren selbst die ganz normalen Dinge besonders, einfach weil ich wusste, dass ich sie bald vermissen würde.

    Und dann kam das Packen. In diesem Moment dachte ich nur: „Scheiße, jetzt ist es wirklich vorbei und ich kann nichts dagegen tun.“

    Natürlich freute ich mich darauf, meine Familie wiederzusehen und endlich mit meinem Studium anzufangen. Aber gleichzeitig musste ich diesen wunderschönen Ort zurücklassen, der mich so sehr verändert hatte. Und plötzlich war da diese Angst vor dem Danach. Wie sollte ich das alles verarbeiten? Wie sollte ich hier wieder ankommen? Und hätte ich vielleicht doch einfach bleiben sollen?

    Ich fuhr noch einmal für wenige Tage zu meinem Freund. Vorher packte ich alles zusammen, damit ich, wenn ich zurückkam, wirklich nur noch ans Verabschieden denken konnte. Der Abschied von Livinus war unglaublich schwer, vor allem, weil ich natürlich nicht wusste, wann ich ihn wiedersehen würde.

    Die letzten drei Tage in Rulenge waren dann wirklich die allerschlimmsten. Ich wollte noch einmal all das tun und all die Menschen sehen, die zu meinem Alltag in Rulenge gehört hatten. Ich wollte noch einmal auf den Markt, zur Messe, zu meinen Freunden, zu den Schwestern, zu meiner Familie, zu den Kindern im Angels Home, ins Krankenhaus, zu den Seminaristen und zu den Priestern. Ich wollte diese letzten Tage einfach noch einmal ganz bewusst genießen und möglichst viel Zeit mit all dem verbringen, was mir in Rulenge so wichtig geworden war.

    Dadurch waren meine Tage so voll, dass kaum Zeit zum Nachdenken blieb. Und trotzdem konnte ich nachts kaum noch schlafen. Denn plötzlich bekam alles eine ganz andere Bedeutung: Hinter jedem Besuch, jedem Ort und jedem vertrauten Alltag steckte nun der Gedanke, dass es ein letztes Mal sein könnte. Was vorher ganz selbstverständlich zu meinem Leben in Rulenge gehört hatte, wurde dadurch plötzlich zu etwas Besonderem, gerade weil ich wusste, dass ich es bald zurücklassen würde.

    Am Mittwoch gab es dann eine Abschiedsparty, die meine Mentoren für mich organisiert hatten. Father Denis lud über 100 Menschen ein und 85 kamen tatsächlich. Es war ein unglaublich schönes Fest, geprägt von Essen, Reden, Dankbarkeit und Wertschätzung.

    Ich habe es in vollen Zügen genossen und musste gleichzeitig so oft weinen. Denn diese Menschen dort sind einfach so besonders für mich geworden. In so kurzer Zeit sind sie ein Teil meines Lebens und irgendwie auch ein Teil von mir geworden. Und dann zu wissen, dass ich sie zurücklassen muss, war unglaublich schwer.

    Ich glaube, an diesem Abend wurde mir noch einmal besonders bewusst, wie viele Menschen mir Rulenge geschenkt hat. Wie viele Beziehungen entstanden sind, wie viel Vertrauen, Nähe und Liebe ich erfahren durfte und wie schwer es ist, etwas loszulassen, das einem so viel bedeutet.

    Die Rückreise

    Am Donnerstagmorgen ging es dann gemeinsam mit Sister Dativa los nach Lusahunga. Dort besuchten wir ihre Familie und ein paar Stunden später holte mich Father Denis mit dem Auto voller Gepäck ab. Wir fuhren zunächst in die Gemeinde nach Biharamulo, um uns dort zu verabschieden, und anschließend zum Mittagessen ins Katoke Seminar.

    Auch das war ein unglaublich schwerer Abschied. Von den Schwestern, den Priestern und den Schülern, die mir in diesem Jahr so sehr ans Herz gewachsen waren. Es fühlte sich jedes Mal ein bisschen mehr danach an, als würde ich ein Stück meines Lebens zurücklassen.

    Danach ging es weiter nach Katoro zu einer Freundin und einem Seminaristen, anschließend in die Gemeinde in Geita und schließlich kamen wir spät abends in Mwanza an.

    Dort bemerkten wir dann, dass eine meiner Taschen in Rulenge vergessen worden war. Da ich früh morgens mit Sister Dativa losgefahren war, hatte ich nicht mehr überprüft, ob wirklich alles ins Auto gekommen war. Und natürlich war genau in dieser Tasche alles, was ich für den Flug brauchte, inklusive meiner Kleidung.

    Also ging es für Father Denis und mich kurzerhand noch einmal zum Shoppen. Ich musste mir eine Hose kaufen, weil ich zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nur ein Kleid anhatte.

    Den Abend ließen wir dann noch gemeinsam beim Abendessen und Bierchen ausklingen. Wir sprachen über alles Mögliche, was in diesem Jahr passiert war, und ließen die vielen Erlebnisse noch einmal Revue passieren. Es war ein wunderschöner Abend.

    Am nächsten Morgen ging es für Father Denis und mich dann zum Flughafen. Er begleitete mich noch bis Dar es Salaam. Die ganze Zeit über sprachen wir über mein Jahr in Tansania. Ich gab ihm Rückmeldung und er mir genauso. Wir sprachen über die schönen Momente, die schwierigen Situationen, darüber, was ich gelernt hatte, was ich vielleicht anders hätte machen können, was er für die neuen Freiwlligen beachten soll und besser machen kann. Dieses Gespräch war unglaublich wertvoll für mich und ich bin sehr dankbar, dass wir diese Zeit noch gemeinsam hatten.

    In Dar es Salaam kam dann einer der schwersten Abschiede.

    Father Denis hat dieses Jahr so besonders für mich gemacht. Er war immer für mich da, egal, was war. Ich konnte mich jederzeit an ihn wenden, wir hatten so viele schöne Momente und so unglaublich viel Spaß zusammen. Er hat mich überall vorgestellt, mich überall hingebracht und mir so viele Türen geöffnet.

    Aber er war so viel mehr als nur mein Mentor. Er war meine Ansprechperson, der Priester, dem ich alles anvertrauen konnte, ein Freund und manchmal sogar ein bisschen wie mein eigener Vater. Diese Beziehung war etwas ganz Besonderes für mich und ich bin ihm dafür unglaublich dankbar. Ich weiß nicht, wie dieses Jahr ohne ihn gewesen wäre.

    Und auch wenn es keinen anderen Ausweg gab, als irgendwann in dieses Flugzeug zu steigen, wäre ich am liebsten aus diesem Flughafen wieder rausgerannt.

    Es war ein so schlimmes Gefühl, als würde mir jemand mein Herz aus der Brust reißen. Ich wusste, dass ich gehen musste. Ich wusste, dass mein Leben in Deutschland/Ungarn weitergehen würde. Ich wusste, dass all die Dinge, auf die ich mich eigentlich freute, auf mich warteten. Aber in diesem Moment wollte ich davon nichts wissen. Ich wollte einfach nur bleiben.

    Zurück in Deuschland

    Der Flug verlief gut und zügig und plötzlich war ich auch schon wieder in Frankfurt. Am Flughafen stand meine Familie und das Gefühl, sie wiederzusehen, war einerseits wunderschön und andererseits so seltsam. So vertraut und gleichzeitig irgendwie fremd. Ich war wieder zu Hause und trotzdem fühlte es sich nicht ganz so an, als wäre ich wirklich angekommen. Die ganze Zeit fühlte ich mich wie ein Gast.

    Es gab so viele erste Male, als ich wieder in Deutschland war. Die erste Autobahn, der erste Polizist, der erste Supermarktbesuch, das erste Mal wieder Wasser aus dem Wasserhahn trinken. Und das Krasseste von allem: die saubere Luft.

    Es ist gerade ehrlich gesagt gar nicht so leicht, in Worte zu fassen, was danach passiert ist, weil es einfach so viel war.

    Das Ankommen ist mir am Anfang sogar relativ leicht gefallen. In stillen Momenten kam die Traurigkeit immer wieder über mich, aber ansonsten lief es erstaunlich gut. Ich war irgendwie in einer kleinen Honeymoon-Phase. Alles war aufregend. Alles war neu, obwohl ich eigentlich wieder an einem Ort war, den ich kannte.

    Und dann kam in der zweiten Woche das große Tief.

    Ich musste unglaublich oft weinen und mir ging es mit der ganzen Situation überhaupt nicht so gut, wie ich es mir selbst eingeredet hatte. Ich glaube, ich hatte versucht, stark zu sein. Mir selbst zu sagen, dass alles gut ist, dass ich ja wieder zu Hause bin und dass ich mich doch eigentlich freuen müsste.

    Aber Gefühle funktionieren eben nicht nach Logik.

    Und das Schwierigste daran war, dass mich einfach niemand so richtig verstanden hat. Damit möchte ich wirklich niemandem einen Vorwurf machen. Meine Familie war für mich da und sie haben vieles verstanden. Aber es gibt einen Unterschied zwischen jemandem, der zuhört und versucht zu verstehen, und jemandem, der genau weiß, wie es sich anfühlt.

    An einem Abend haben wir Freunde eingeladen, die selbst längere Zeit in Tansania gelebt hatten. Und ich glaube, an diesem Abend habe ich mich zum ersten Mal wirklich verstanden gefühlt. Ich musste nicht erklären, warum mich bestimmte Dinge so sehr beschäftigen. Ich musste nicht erzählen, warum ich plötzlich weinen musste oder warum sich manche ganz alltäglichen Dinge in Deutschland so seltsam angefühlt haben. Sie wussten es einfach.

    Diese große Anonymität in Deutschland hat mir ziemlich zu schaffen gemacht. In Tansania kannte ich ständig irgendjemanden. Menschen haben mich gegrüßt, angesprochen, nach mir gefragt. Ich war Teil einer Gemeinschaft. Und plötzlich war ich wieder in Deutschland und konnte durch eine volle Straße laufen, ohne dass irgendjemand wusste, wer ich bin. Keiner grüßte sich, alle liefne mit Kopfhörern durch die Gegend. Alle liefen schnell und alles war busy und hektisch. Pole Pole (langsam langsam) war plötzlich weg.

    Das Eingewöhnen hat deshalb doch deutlich länger gedauert, als ich anfangs gedacht hatte.

    Ich war dann noch auf dem Länderseminar in Bamberg und habe dort die drei neuen Freiwilligen auf Rulenge bzw. Tansania vorbereitet. Das war unglaublich schön. Ihnen von meinen Erfahrungen zu erzählen, Fragen zu beantworten und irgendwie das weiterzugeben, was ich in diesem Jahr gelernt hatte, hat mir selbst noch einmal gezeigt, wie viel eigentlich passiert ist.

    In einem Reflexionsgespräch mit meiner deutschen Ansprechpartnerin konnte ich außerdem noch einmal unglaublich viel aufarbeiten. Das hat mir sehr gutgetan. Es war ein bisschen so, als hätte ich endlich einmal innehalten und all die Gedanken und Gefühle sortieren können, für die vorher einfach kein Platz gewesen war.

    Wie es weiterging und meine Gedanken

    Und dann hieß es schon wieder: Koffer packen und ab nach Budapest.

    Und hier sitze ich nun. In meinem mittlerweile eingerichteten Zimmer und lerne schon ungarisch und gehe die Naturwissenschaften durch. Nächste Woche geht die Voruni los, danach kommt das Ersticamp und dann beginnen auch schon die Vorlesungen.

    Ich bin total aufgeregt und merke gleichzeitig auch hier schon, dass es wieder Herausforderungen gibt. Meine beiden Mitbewohner sind noch im Urlaub, die Stadt ist riesig; manchmal ziemlich überfordernd und mit Englisch komme ich nicht weit. Ungarisch verstehe ich bisher wirklich kein einziges Wort.

    Ich glaube, auch hier brauche ich einfach Zeit, um richtig anzukommen.

    Und trotzdem ist es ein ziemlich seltsames Gefühl. In Deutschland war ich noch nicht einmal zu hundert Prozent angekommen, da war ich schon wieder weg. Und jetzt bin ich hier und muss schon wieder irgendwo neu anfangen.

    Trotzdem bin ich unglaublich froh, ausgezogen zu sein. In Deutschland hatte ich plötzlich so viel Zeit und gleichzeitig das Gefühl, nichts zu tun zu haben. Hier muss ich wieder aufstehen, mich zurechtfinden, lernen, organisieren und mich neuen Herausforderungen stellen. Und genau das habe ich irgendwie gebraucht.

    Wenn ich gerade darüber nachdenke, wo ich in meinem Leben eigentlich stehe, ist das wirklich schwer in Worte zu fassen. Irgendwo zwischen Abschiedsschmerz und Trauer, zwischen Freude darüber, meine Familie und Freunde wiederzusehen, zwischen Re-Cultural-Shock in Deutschland und dem Beginn eines komplett neuen Lebensabschnitts, zwischen Vorfreude und Überforderung.

    Ein bisschen viel für drei Wochen.

    Danksagungen

    Ich möchte diesen Blogpost auch noch einmal nutzen, um etwas aus meinem letzten Post aufzugreifen.

    Ich habe diesen Eintrag in einer Phase meines Lebens geschrieben, in der ich dachte, danach würde alles zusammenbrechen. Ich hatte so einen großen Abschiedsschmerz, dass ich einfach nur noch aufgeschrieben habe, was ich gefühlt habe, ohne viel darüber nachzudenken.

    Und dabei habe ich einen riesigen Punkt komplett vergessen.

    Ich habe geschrieben, dass ich in diesem Jahr zu hundert Prozent ich selbst sein durfte und Seiten an mir ausleben konnte, die ich vorher vielleicht nie so ausleben konnte. Dass ich mich selbst gefunden habe und dass die Menschen vor Ort alles für mich getan haben.

    Und ja, das stimmt. Zu hundert Prozent.

    Aber es fehlt etwas.

    Meine Familie.

    Nicht die Familien, die ich in Tansania kennenlernen durfte, sondern meine Familie, die mich großgezogen hat, die mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin, die mich immer unterstützt hat und besonders in diesem Jahr so viel für mich getan hat.

    Sie haben mich durch alle meine Lebensphasen getragen. Sie waren immer an meiner Seite. Egal, was war.

    Ohne meine Eltern und meine Geschwister hätte ich diesen Schritt ins Ausland niemals gehen können. Vielleicht hätte ich gar nicht gewusst, dass so etwas überhaupt möglich ist, und ganz sicher hätte ich dieses Jahr nicht so erleben und meistern können.

    Dass ich nach Tansania gehen konnte, dass ich dort wachsen durfte, dass ich mich weiterentwickeln und so viele neue Seiten an mir entdecken konnte, verdanke ich auch ihnen. Weil sie mir so viel mitgegeben haben.

    Und ja, natürlich gab es Dinge, die ich zu Hause in Deutschland nicht machen konnte oder bei denen ich mich eingeschränkt gefühlt habe. Aber das ist auch vollkommen normal, wenn man mit seiner Familie zusammenlebt. In Tansania habe ich alleine gewohnt. Ich hatte mein eigenes Leben, meine eigenen Entscheidungen und meinen eigenen Alltag.

    Das bedeutet aber nicht, dass meine Familie mich davon abgehalten hat, ich selbst zu sein.

    Im Gegenteil. Sie haben mir überhaupt erst die Sicherheit gegeben, mich auf die Suche nach mir selbst zu machen.

    Und deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einmal einen Dank aussprechen: Danke an weltwärts und Bamberg für diese großartige Möglichkeit. Danke an all meine Mitfreiwilligen aus den Seminaren, die mich durch dieses Jahr begleitet und getragen haben. Danke an all die Menschen, die ich in Tansania kennenlernen durfte, an die Schwestern, Priester, Arbeitskollegen, Kinder aus dem Angels Home, Seminaristen, Frauen und Männer auf dem Markt und in der Messe, Freunde und natürlich meine tansanische Familie. Danke an Livinus, der mich dazu gebracht hat, Medizin studieren zu gehen. Und danke an meine großartigen Mentoren, die mich durch dieses Jahr getragen, unterstützt und immer wieder aufgefangen haben.

    Und der größte Dank gilt meiner Familie.

    Meinem Papa, meiner Mama, meiner Schwester und meinem Bruder.

    Danke, dass ihr mich immer getragen habt. Danke, dass ihr mir vertraut habt. Danke, dass ihr mich gehen lassen habt, obwohl das sicher nicht immer leicht war. Und danke, dass ich immer wieder zu euch zurückkommen konnte.❤️

    Mich haben viele von euch gefragt, ob ich mit dem Blogschreiben weitermachen kann. Und manchmal denke ich mir: Warum eigentlich nicht?

    Natürlich nicht mehr so regelmäßig, dafür werde ich im Studium wahrscheinlich nicht mehr die Zeit haben. Aber vielleicht schreibe ich ab und zu noch einmal etwas. Vielleicht über Budapest, vielleicht über das Medizinstudium, vielleicht einfach über das, was gerade in meinem Leben passiert. Und spätestens, wenn es für mich wieder zurück nach Tansania geht, nehme ich euch wieder ganz nah mit.

    Bis dahin bleibt gesund und passt auf euch auf. Und vielen Dank auch an euch, dass ihr meine Blogs immer gelesen, fleißig kommentiert und mir Feedback gegeben habt. Das hat mich jedes Mal sehr gefreut und mich immer wieder darin bestärkt, weiterzuschreiben.

    Alles Liebe.❤️

    Joana (Johanna)

    Schnipp schnapp Haare ab für den neuen Lebensabschnitt
  • Niemand redet über das Abschiednehmen.

    Man denkt immer an die Ankunft. An das Kribbeln vor dem Abflug. An die Aufregung, wenn etwas Neues beginnt. Aber niemand bereitet einen auf den Moment vor, in dem alles wieder endet.

    Niemand erzählt dir, wie es sich anfühlt, wenn aus einem Ort ein Zuhause wird. Wenn Menschen, die einmal fremd waren, zu Familie werden. Wenn du irgendwann merkst, dass du nicht mehr dieselbe Person bist, die damals ins Flugzeug gestiegen ist.

    Und noch viel weniger redet jemand darüber, wie es sich anfühlt, ein Zuhause zu verlassen, dass du gerade erst gefunden hast.

    Nicht nur ein Land. Nicht nur einen Ort. Sondern ein Leben, das sich irgendwann so vertraut angefühlt hat, dass „Gehen“ sich einfach falsch anfühlt.

    Der Abschied trifft einen unerwartet.

    Nicht, weil man nicht wusste, dass er kommen würde. Sondern weil man bis zum Schluss hofft, die Zeit würde langsamer vergehen.

    Heute ist Blogbeitrag Nummer 15. Und zum ersten Mal weiß ich nicht, wie ich die richtigen Worte finden soll.

    Zum ersten Mal schreibe ich euch nicht davon, was ich erlebt habe, was mich glücklich gemacht hat oder dass ich immer noch genauso glücklich bin wie an Tag 1.

    Ich habe euch immer ehrlich mitgenommen. Ich habe erzählt, wenn ich Angst hatte. Wenn etwas schwierig war. Wenn ich krank war oder wenn es Momente gab, die mich herausgefordert haben. Aber trotzdem konnte ich euch immer sagen: Mir geht es gut. Ich bin unglaublich glücklich. Die schönen Momente sind größer als alles andere.

    Doch dieses Mal ist es anders.

    Dieses Mal überwiegt die Traurigkeit.

    Und die Wahrheit ist: Mir geht es nicht gut.

    Ich habe Schmerzen. Ich bin unendlich traurig. Es fühlt sich an, als würde mir jemand mein Herz aus der Brust reißen und ich komme diesem Schmerz nicht hinterher.

    Ich kann euch gerade nicht mehr sagen, dass es mir genauso fantastisch gut geht wie am Anfang. Nicht, weil dieses Land weniger schön geworden ist. Nicht, weil die Zeit weniger wertvoll geworden ist. Sondern genau, weil sie so unglaublich schön war.

    Jeder vergangene Tag tut weh, weil er ein Tag weniger ist. Jede Stunde bringt den Moment näher, vor dem ich mich so lange gefürchtet habe.

    Mir fehlen einfach die Worte. Weil es für das, was ich gerade fühle, gar keine gibt.

    Alle sagen: „Man muss aufhören, wenn es am schönsten ist.“

    Aber niemand erzählt einem, dass man irgendwann anfängt, die Tage rückwärts zu zählen. Dass jeder Abend schwerer wird als der davor. Dass man weinend einschläft, weil die Zeit unaufhaltsam weniger wird.

    Die letzten Wochen waren wie ein Countdown. Mit jedem Tag wurde mir bewusster, dass alles, was zur Normalität geworden war, zum letzten Mal passieren würde.

    Der letzte Weg. Der letzte Sonnenuntergang. Die letzte Messe. Die letzte Umarmung. Das letzte Mal Wäsche waschen. Die letzte Busfahrt. Der letzte Arbeitstag. Das letzte Abendessen bei meinen tansanischen Eltern. Der letzte Marktbesuch.

    Mein Verständnis von „selbstverständlich“ hat sich in diesem Jahr komplett verändert.

    Ich habe immer geschrieben, was in Deutschland für mich selbstverständlich war: große Supermärkte, Möglichkeit auf alles und immer, fließend warmes Wasser, Strom, Netz, eine Waschmaschine, saubere Kleidung.

    Und plötzlich wurde all das relativ.

    Hier wurde anderes selbstverständlich.

    Wäsche mit der Hand waschen. Mit einer Taschenlampe kochen. Über Feuer kochen. Wasser sparen. Aus Eimern duschen.

    Dankbar sein für drei Mahlzeiten am Tag. Dankbar sein für Licht und Strom. Dankbar sein für das was da ist.

    Und genauso selbstverständlich war die Art, wie Menschen miteinander umgingen. Man grüßte sich. Man nahm sich Zeit füreinander. Man teilte, auch wenn man selbst nicht viel hatte. Man half, ohne zu zögern. Man feierte gemeinsam. Man lachte miteinander. Man begegnete sich mit Offenheit und Herzlichkeit, die mich jeden Tag aufs Neue berührt hat.

    Und irgendwo dazwischen habe ich verstanden, wie wenig man eigentlich braucht, um wirklich zu leben. Um glücklich zu sein. 

    319 Tage.

    319 Tage durfte ich hier ICH sein.

    100%. 

    Jeden einzelnen Tag.

    Tansania hat mich innerlich geheilt. Ich habe verarbeitet. Ich habe verstanden. Ich habe losgelassen und gleichzeitig so viel festgehalten.

    11 Monate.

    11 Monate durfte ich in diesem wunderschönen, atemberaubenden Land leben.

    Aber „leben“ ist eigentlich viel zu klein für das, was es wirklich war. Oder ist genau das Leben? Vielleicht fühlt sich Leben genau so an. Und trotzdem war es für mich so viel größer, als dieses eine Wort jemals beschreiben könnte.

    Ich durfte lachen bis ich Bauchschmerzen hatte. Ich durfte weinen. Ich durfte laut sein. Ich durfte energievoll sein. Ich durfte hinfallen und wieder aufstehen. Ich durfte mit Schwestern zum Beten in die Dörfer fahren. Ich durfte Kinder füttern und ihnen beim waschen helfen. Ich durfte am Operationstisch im Krankenhaus stehen. Ich durfte bei der medizinischer Versorgung in armen Haushalten mithelfen. Ich durfte lernen. Ich durfte Fehler machen. Entdecken. Erleben. Reisen. Meine Augen öffnen. Lieben.

    Ich durfte wachsen.

    Ich durfte Seiten in mir ausleben, die ich vorher nicht kannte oder sie vorher einfach nie wirklich leben durfte.

    Und jetzt habe ich plötzlich Angst, dass ich genau diese Seiten wieder verstecken muss. Die Seiten, die mich so unfassbar glücklich gemacht haben.

    Ich habe Menschen getroffen, die mein Leben für immer verändert haben.

    Ich habe ein Zuhause gefunden, ohne es gesucht zu haben.

    Vor 11 Monaten kam Johanna nach Tansania.

    Johanna hatte Pläne. Eine Richtung. Eine Vorstellung davon, wie das Leben nach dem Freiwilligendienst aussehen sollte: internationale Arbeit studieren, reisen, danach Entwicklungsarbeit.

    Johanna wollte die Welt sehen. Joana hat in diesem Jahr gelernt, sie zu fühlen.

    Jetzt fliegt nicht mehr Johanna zurück. Jetzt fliegt Joana nach Deutschland.

    Zwischen diesen beiden Namen liegen keine 11 Monate.

    Dazwischen liegt ein ganzes Leben.

    Joana kehrt mit einem Studienplatz in der Medizin zurück.

    Nicht, weil es immer so geplant war.

    Sondern weil das Leben einem manchmal Menschen schenkt, die zu den besondersten und wichtigsten werden, und die dir einfach eine einzige Frage stellen, die alles verändert.

    Ich habe hier gelernt zu lieben. Und ich habe gespürt, geliebt zu werden.

    Vielleicht ist genau das der Grund, warum dieser Abschied so weh tut.

    Es tut weh, wenn der Chefarzt des Krankenhauses dir sagt, dass er von deiner Arbeit sehr beeindruckt ist, du einen großartigen Job machst und er dich am liebsten sofort fest einstellen würde.

    Es tut weh, wenn ein Krankenpfleger, der seit 15 Jahren dort arbeitet, zu dir kommt und sagt, dass die Monate mit dir die schönsten jemals waren, weil du ihm jeden Tag mit einem Lächeln begegnet bist und den Alltag immer besser gemacht hast.

    Es tut weh, wenn dein Mentor dir sagt, wie stolz er darauf ist, wie du dieses Jahr gemeistert hast, und dass er dich am liebsten für immer dort behalten würde.

    Es tut weh, wenn deine heutige beste Freundin dir erzählt, dass sie noch nie eine beste Freundin hatte und nicht weiß, was sie ohne dich machen soll.

    Es tut weh, wenn die Schwestern dir sagen, dass sie dich vermissen werden, weil du sie jeden Tag mit deinem Lächeln angesteckt hast und sie durch dich so viel über die Welt lernen konnten. Weil du nie einfach vorbeigegangen bist, sondern immer Zeit hattest, alle zu begrüßen. Und wenn jemand krank war, standest du mit einer Mahlzeit vor der Tür.

    Es tut weh, sich von Menschen verabschieden zu müssen, obwohl man weiß, dass man den Kontakt nicht aufrechterhalten kann, weil sie sich kein Smartphone leisten können und nur eine tansanische Telefonnummer haben.

    Es tut weh, wenn deine tansanische Mama dich in den Arm nimmt und sagt, dass sie noch nie einem so besonderen Menschen begegnet ist und nun ihre Tochter gehen lassen muss, damit sie zu ihrer richtigen Mama zurückkehren kann.

    Es tut weh, wenn bei jeder Begegnung dich die Leute fragen: „Aber wieso musst du denn schon zurück? Bleib doch einfach hier, wir sind doch gute Leute, wir passen auf dich auf. Hier geht’s dir doch so gut, bleib doch einfach da, wir können dich hier doch gebrauchen.“

    Es tut weh, wenn ein vierjähriges Kind weinend zu dir kommt, sich an dich klammert und sagt, dass es dich liebt. Dass es dich vermissen wird. Dass es ohne dich nicht mehr so viel lachen wird. Und dich dann bittet: „Dada (Schwester) Joana, versprich mir, dass du mich nicht vergisst. Versprich mir, dass du zurückkommst.“

    Es tut weh, ein zwölfjähriges Mädchen zurückzulassen, das dir sagt, dass sie durch dich Englisch gelernt hat, weil ihr jeden Tag gemeinsam geübt habt und sie dadurch jetzt eine echte Chance hat, zur Secondary Schule gehen zu können.

    Es tut weh, wenn ein fünfjähriger zu dir kommt, dir dafür dankt, dass du ihn nie geschlagen hast, wenn er den Teller nicht aufgegessen hat und nicht will dass du ihn ab jetzt alleine beim Essen lässt.

    Es tut weh, wenn die Oberin zu dir kommt und dir sagt: „ich habe die Kinder noch so viel lachen sehen, wie mit dir. Sogar beim Duschen hatten sie Spaß und haben es freiwillig gemacht. Musst du denn wirklich schon zurück nach Deutschland?“

    Und auch wenn damit mein größtes Ziel erreicht wurde, die Kinder zum Lachen zu bringen, ihnen eine schöne Zeit zu schenken und ihnen zu zeigen, dass es auch ohne Gewalt geht, tut es jetzt nur noch mehr weh, sie verlassen zu müssen.

    Vielleicht ist genau das das Schönste und gleichzeitig das Schmerzhafteste an diesem Jahr: zu wissen, dass man Spuren hinterlässt und selbst trotzdem weitergehen muss.

    Allerdings weiß ich nicht, wie es jetzt weitergeht.

    Und ich muss und kann das auch nicht sofort wissen.

    Denn ich kann nicht einfach dort weitermachen, wo ich vor 319 Tagen aufgehört habe. Ich kann nicht so weiterleben, wie ich die 18 Jahre davor gelebt habe.

    Dieses Jahr hat alles verändert.

    Ich würde so gerne alles erzählen. Alles teilen. Alles erklären. 

    Aber im Moment fehlen mir einfach die Worte.

    Ich brauche Zeit.

    Zeit, um mich vollständig zu verabschieden 

    Zeit, um anzukommen.

    Zeit, um zu verstehen.

    Zeit, um all das zu verarbeiten.

    Tansania hat mich verändert. Es hat mich zu einem besseren Menschen gemacht. 

    Ich habe hier etwas gefunden, wonach ich gar nicht gesucht habe.

    Und ich muss ein Zuhause verlassen, um in ein anderes Zuhause zurückzukehren.

    11 Monate, 45 Wochen, 319 Tage, 7.656 Stunden, 459.360 Minuten, 27.561.600 Sekunden, in denen ich ICH sein durfte.

    Und ich glaube das ist das größte Geschenk, das mir dieses Land je hätte geben können.

    Deshalb ist das hier auch kein „Auf Wiedersehen, Tansania“.

    Es ist ein: Bis wir uns wiedersehen.

    Ich komme zurück!!! Das verspreche ich zu 10000000%

    Eine Millionen Mal Danke für alles.

    Asante sana Tanzania. Nakupenda milele milele❤️🇹🇿

    In Liebe,

    Joana❤️

  • 14. Einmal quer durchs Land

    14. Einmal quer durchs Land

    Hallo meine Lieben,

    mein letzter Blog endete mit einer wunderschönen Reise mit Anika durch Rulenge, Mwanza und schließlich Sansibar. Ich hatte euch noch geschrieben, dass ich mit der Fähre zurück aufs Festland nach Dar es Salaam gefahren bin. Von dort aus ging es für eine Nacht zu meinem ehemaligen Sprachlehrer und seiner Familie. Er hatte mir angeboten, dort kostenlos zu essen und zu schlafen. Da sage ich natürlich nicht nein.😅

    Nachts ging es für mich dann an den Busstand in Dar es Salaam in Richtung Itete im Distrikt Morogoro. Ein sehr kleines Dorf, noch deutlich kleiner und abgelegener als Rulenge. Dorthin fährt man also nicht ohne Grund. Ich hatte allerdings einen ganz besonderen Grund.

    Viele Monate lang habe ich euch noch etwas verheimlicht. Jetzt möchte ich es euch gerne erzählen: Seit langem habe ich einen festen Freund. Und tatsächlich kennt ihr ihn sogar schon. Es ist Livinus, der Arzt aus dem Krankenhaus in Rulenge. Da er ja inzwischen weggezogen ist, habe ich ihn an seinem neuen Wohnort besucht.

    Livinus ist ein wunderbarer Mensch und hat dieses Jahr für mich so viel schöner und leichter gemacht. Gerade in einem Jahr voller neuer Erfahrungen und manchmal auch schwieriger Momente war er immer für mich da. Auch auf meinem Weg ins Medizinstudium hat er mich voll und ganz unterstützt und sehr bestärkt. Für all das bin ich ihm unglaublich dankbar und in der Beziehung mit ihm bin ich einfach unendlich glücklich.❤️

    Nach sieben Tagen in Itete ging es für mich auf eine 36-stündige Busfahrt. Währenddessen habe ich auch den letzten Blogpost für euch geschrieben. Und ich kann euch sagen: Das war wirklich eine aufregende und wilde Fahrt.

    Alles hat damit angefangen, dass mir in Itete niemand sagen konnte, wie ich an mein nächstes Ziel Mbinga komme. Also hieß es samstags nachts um drei Uhr: ab in den Bus und erstmal in die nächstgrößere Stadt Mikumi fahren. Nach etwa zweieinhalb Stunden gab es einen Unfall mit einem Auto und anderen Bus, sodass die Straße gesperrt war und wir nicht weiterfahren konnten. Einige Menschen wurden leider auch verletzt.

    Zum Glück hatte ich mein Erste-Hilfe-Set dabei und konnte die Verletzten zunächst stabilisieren und Wunden versorgen. Der Busfahrer, der hinter seinem Lenkrad eingeklemmt war, war zunächst bewusstlos. Kurz darauf war plötzlich kein Puls mehr tastbar, sodass ich sofort mit der Herzdruckmassage begonnen habe. Gott sei Dank war sie erfolgreich.🙏

    Und dann merkt man wieder, was für ein riesiges Privileg es eigentlich ist, fast überall Netz zu haben. Wir mussten uns erstmal zu Fuß auf den Weg machen, nur um Empfang zu bekommen um Hilfe holen zu können, und selbst da hat man am Telefon nur die Hälfte verstanden. In der Gegend, mitten im Nichts, war das alles echt nicht leicht.

    Vor allem die Beschreibung, wo wir genau waren, war schwierig. Der einzige „Vorteil“: Es gab nur diese eine Straße. Also irgendwo dort, ungefähr 20 Minuten vom letzten kleinen Dorf entfernt.

    Durch Livinus’ Hilfe, den wir anriefen, erreichten wir dann das nächste Health Center. Sie waren überraschend schnell vor Ort, haben alle Verletzten ins Auto geladen und ins Krankenhaus gebracht.

    Nach etwa drei Stunden Unterbrechung ging es für weitere sieben Stunden weiter.

    In Mikumi half mir dann sofort jemand meinen nächsten Bus nach Songea zu finden. Nach fünf Stunden Fahrt hieß es plötzlich: „Bitte alle aussteigen, wir stecken im Schlamm fest.“ Also mussten wir gemeinsam den Bus wieder freibekommen, mitten im Nirgendwo.😅 Teamwork makes the Dreamwork🤝 Nach weiteren sechs Stunden dann die nächste Durchsage: „Bitte alle aussteigen, der Bus ist kaputt.“

    Ich hatte keine Ahnung, wo wir waren, aber glücklicherweise einen sehr netten Nebensitzer. Mit ganz viel Charme😂 erzählte ich ihm, dass ich nicht weiterkomme und keine Ahnung habe, was ich jetzt tun soll. Volltreffer: Er hatte eine Lodge, in der ich kostenlos übernachten konnte, bis der nächste Bus um drei Uhr nachts kam. Auch ums Essen kümmerte er sich.

    No risk, no fun. Also bin ich mit dem Boda-Boda zu seiner Lodge gefahren. Dort bekam ich ein Zimmer und eine große Portion Ugali mit Bohnen. Todmüde fiel ich ins Bett und stand vier Stunden später schon wieder auf, um zum Busstand zu gehen.

    Dort kam schließlich der Bus. Allerdings mussten nun alle Fahrgäste der Nacht und zusätzlich die neuen Fahrgäste mitfahren. Ich stieg fast als Letzte ein und bekam deshalb keinen Sitzplatz mehr. Also legte ich mich einfach hinten auf den Boden. Die letzte Reihe war etwas erhöht, sodass ich einfach meinen Rucksack und einen Mülleimer als Kissen und Stütze benutzen konnte und erstmal weiterschlief.

    mein Schlafplatz

    Dadurch musste ich kein Ticket bezahlen und bekam unterwegs Maandazi und Chapati von anderen Fahrgästen geschenkt, weil es ihnen leidtat, dass ich auf dem Boden lag. Mittags schenkte mir jemand sogar noch Chipsi Mayai (Pommes mit Ei) Ehrlich gesagt bin ich noch nie so bequem Bus gefahren.😂

    Nach weiteren elf Stunden kam ich schließlich in Mbinga an und wurde dort von den beiden Würzburger Freiwilligen Luise und Friedrich abgeholt. So verrückt die Fahrt auch war, hatte ich einerseits den Spaß meines Lebens, andererseits hat sie mir auch gezeigt, wie unberechenbar Reisen manchmal sein können. Vor allem der Unfall hat mich noch lange beschäftigt und mich zum Nachdenken gebracht.

    Trotz allem bin ich für jede einzelne Erfahrung dieser Reise unglaublich dankbar. Sie hat mir wieder einmal gezeigt, wie viel man erlebt, wenn man sich auf Neues einlässt und auf sich allein gestellt ist. Und wieder einmal wurde mir klar: Sprache öffnet Türen.

    Zur Begrüßung in Mbinga gab es erst einmal viele Umarmungen, Chipsi Mayai und ich lernte Friedrichs Zuhause kennen. Da ich mit deutlicher Verspätung ankam, blieb nicht viel Zeit. Nach einem kleinen Spaziergang durch Mbinga fuhren Luise und ich mit dem Boda-Boda weiter nach Litembo, ihrem Einsatzort.

    auf geht’s nach Litembo

    Litembo ist ein kleines Bergdorf und landschaftlich einfach wunderschön. Leben könnte ich mir dort allerdings nicht vorstellen, denn der Ort besteht fast nur aus dem Krankenhaus. Dieses ist riesig, modern und hervorragend ausgestattet. Es war total spannend, den Unterschied zu dem Krankenhaus in Rulenge zu sehen. Gleichzeitig gibt es dort keine andere Freiwillige oder junge Menschen, weshalb nach der Arbeit nichts los ist. Außerdem sind die Aufgaben als Freiwillige deutlich eingeschränkter als das, was ich aus Rulenge kenne, weil es eben ein super Krankenhaus ist.

    Nach einer Nacht ging es zurück nach Mbinga. Dort trafen wir andere Freiwillige, Friedrichs Nachbarinnen, kauften gemeinsam auf dem Markt ein, kochten zusammen und ließen den Abend beim Fußballschauen ausklingen. Ein perfekter Auftakt.

    Am nächsten Morgen zeigte mir Friedrich seine Arbeitsstelle, die Computerschule auf dem Bischofsgelände. Eine Arbeitsstelle, die ich mir persönlich auch nicht vorstellen könnte, weil sie mir wahrscheinlich zu langweilig wäre.😂 Nach dem Mittagessen bei seiner Gastmama wanderten wir noch auf einen Berg mit einer wunderschönen Aussicht über Mbinga.

    Am frühen Abend machten wir uns schließlich auf den Weg nach Songea. Dort übernachteten wir bei Schwestern, bevor wir am nächsten Morgen um fünf Uhr den Bus nach Mtwara nahmen.

    Ab diesem Moment reiste ich nicht mehr allein, sondern gemeinsam mit Friedrich.🤪

    Nach dreizehn Stunden Fahrt durch wunderschöne Landschaften kamen wir schließlich an der Küste in Mtwara bei den Freiwilligen Justina und Anna an.

    Den ersten Abend verbrachten wir in unserer Unterkunft, dem Guesthouse der Schwestern direkt am Strand.

    Am nächsten Morgen wurde erst einmal ausgeschlafen, bevor es nach Mikindani ging. Dort besuchten wir das Makumbusho Mikindani Museum, das die Geschichte und Kultur der südlichen Küstenregion Tansanias zeigt.

    Besonders spannend war die Geschichte der Wamakonde und wie verschiedene Einflüsse, darunter portugiesische Eroberer, indische Händler und der Handel über den Indischen Ozean, die Region geprägt haben. Ein sehr eindrücklicher Teil der Ausstellung beschäftigte sich mit dem Handel versklavter Menschen sowie der deutschen Kolonialzeit und den Folgen von Unterdrückung und Gewalt. Außerdem ging es um Missionierung, Religion und den Einfluss dieser Entwicklungen auf Kultur und Alltag bis heute.

    Das Museum hat mich sehr beeindruckt. Es war spannend, noch mehr über die Geschichte des Landes zu erfahren, in dem ich inzwischen schon seit vielen Monaten lebe.

    Anschließend ging es auf den Markt in Mtwara, danach noch eine Runde ins Meer und zum Abschluss waren wir zum Abendessen bei den Schwestern im Mother House eingeladen. Sie hatten Spätzle mit Bohnen für uns gekocht und es war unglaublich lecker.

    Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen, denn Justina feierte ihren 20. Geburtstag. Nach einem schönen Gottesdienst frühstückten wir mit den Schwestern, bevor Justina natürlich die tansanische Wassertradition bekam. Anschließend zeigten uns Justina und Anna ihre Arbeitsstellen in den Kindergärten, das Schwestern-Gelände und ihre Zimmer auf dem Montessori-Gelände. Abends kochten wir für Justina deutsches Essen und luden die Schwestern ein. Es war ein richtig schöner Geburtstag.

    Am nächsten Morgen ließ ich mir wieder die Haare machen. Sie wurden geöffnet, gewaschen und anschließend neu geflochten. Nach sechs Stunden war ich fertig. Danach hieß es für Friedrich und mich zurück zum Busstand, um nach Dar es Salaam zu fahren. Die zehnstündige Fahrt verging wie im Flug, weil ich die ganze Zeit geschlafen habe. Der Bus war unglaublich luxuriös und fühlte sich wie Business Class an. Auch wenn ich noch nie damit geflogen bin, stelle ich es mir genau so vor.😂

    In Dar angekommen gingen wir wieder zu Joshua, unserem ehemaligen Sprachkurslehrer. Nach einer Runde schlafen und einem Frühstück fuhren wir mit dem Bus in die Stadt und schließlich an den Strand und machten ein leckeres deutsches Picknick.

    Am nächsten Tag ging es früh weiter. Nach vierzehn Stunden und einer Buspanne erreichten wir Arusha und fuhren direkt zu unserer Gastmama Isabella. Bei ihr durften wir kostenlos übernachten und essen. Das war einfach richtig, richtig schön. Wir hatten tolle Gespräche und sie ist so eine herzensgute Frau. Sie hat mich tief beeindruckt und inspiriert.

    Dabei kannte sie eigentlich nur Friedrich und nicht mich. Trotzdem behandelte sie mich vom ersten Moment an wie ihre eigene Tochter. Nach einer Stunde Gespräch kam sie plötzlich weinend auf mich zu, nahm mich in den Arm und sagte: „Du musst nur einmal lächeln und schon verzauberst du die Welt. Gott hat dich zu mir geschickt. Du bist mein Engel. Du bist meine Tochter.“ Da kamen mir direkt selbst die Tränen.🥹🥹

    Wir besuchten einen See, erkundeten die Stadt, genossen ihr leckeres Essen, sie interviewte uns zu unserer WFD-Erfahrung, nahm uns mit in einen Club, um das Fußballspiel zu schauen, und organisierte sogar alles, damit wir zu den Hot Springs fahren konnten. Es waren einfach rundum wunderschöne Tage.

    Nach vier Tagen in Arusha ging es mit dem Bus fünfzehn Stunden weiter Richtung Mwanza. Die Fahrt war unglaublich schön, weil sie einmal quer durchs Land führte. Es war faszinierend, die unterschiedlichen Landschaften und die Veränderung des Landes zu erleben.

    In Mwanza übernachteten wir bei meiner Freundin Rose. Ich zeigte Friedrich all meine Lieblingsorte und nach zwei Nächten ging es zurück nach Rulenge.

    Zurück in Rulenge führte ich Friedrich natürlich erst einmal herum. Wir besuchten viele Menschen, ich zeigte ihm den Markt und meine Arbeitsstellen und er verstand sehr schnell, warum es mir hier so gut geht und weshalb ich diesen Ort am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte.

    Nach drei Tagen in Rulenge ging es für Friedrich zurück nach Mbinga und für mich zurück zur Arbeit im Krankenhaus. Der Einstieg verlief ganz entspannt, weil wir kaum Patienten hatten. So konnte ich erst einmal mit allen in Ruhe sprechen, quatschen und langsam wieder im Alltag ankommen. 

    Ich bin unglaublich dankbar für diese Reise. Fast einen ganzen Monat durch Tansania reisen zu dürfen, ist ein riesiges Privileg. Möglich war das nur, weil ich durch viele gearbeitete Wochenenden noch zwanzig Urlaubstage übrig hatte und zusammen mit Feiertagen und Wochenenden fast einen ganzen Monat unterwegs sein konnte.

    Ich danke Gott, dass ich diese Reise erleben durfte und vor allem, dass ich gesund wieder nach Hause gekommen bin. Und ich bin meinen Schutzengeln sehr dankbar, die mich sehr gut begleitet haben. Nach diesem Jahr brauchen sie vermutlich alle Urlaub.😂

    Besonders dankbar bin ich aber für die Menschen. Wir sind mit einem unglaublich kleinen Budget gereist, weil wir überall eingeladen wurden. Wir mussten nur die Busfahrten und manchmal unser Essen bezahlen. Immer wieder wurden wir aufgenommen, bekocht, zum Übernachten eingeladen oder einfach ganz selbstverständlich mitversorgt. Diese Gastfreundschaft hat mich sooo tief berührt. Sie zeigt mir wieder einmal mehr, wie herzlich und großzügig die Menschen hier sind. Hier ist es eine absolute Verständlichkeit🥰

    Insgesamt bin ich in diesem Monat unglaubliche 107 Stunden Bus gefahren, einmal quer durch Tansania. Dadurch durfte ich so viele unterschiedliche Orte dieses wunderschönen Landes kennenlernen. Und ständig sah alles wieder anders aus: Berge, Meer, Seen, trockene Weiten und sattes Grün. Kleine Dörfer und riesige Städte. Armut und Reichtum. Ruhe und Chaos. Einsame Straßen und lebendige Märkte. Nationalparks und Palmenlandschaften. Sonnen-aufgänge in den Bergen und Sonnen-untergänge am Ozean. Es ist kaum zu glauben, wie viel Vielfalt in einem einzigen Land steckt. Tansania ist einfach unbeschreiblich wunderschön.❤️🇹🇿

    Die letzten drei Wochen in Rulenge haben begonnen. Es fühlt sich so unwirklich an, diese Worte überhaupt zu schreiben. Seit einem Jahr ist dieser Ort mein Zuhause und plötzlich vergeht die Zeit viel zu schnell. Egal, wohin ich gehe, begleitet mich der Gedanke, dass es vielleicht das letzte Mal ist.

    Ich freue mich von Herzen auf das Studium, um endlich richtig durchzustarten. Gleichzeitig macht mich der Gedanke unglaublich traurig, dass dieses Kapitel hier bald endet. Dass all das bald nur noch eine Erinnerung sein wird und nicht mehr mein Alltag.

    Rulenge hat mich verändert. Tansania hat mich verändert. Die Menschen haben mich verändert. Sie sind längst nicht mehr einfach Menschen, die ich kennengelernt habe. Sie sind Familie geworden. Genau deshalb ist dieser Abschied so schwer.

    Umso mehr möchte ich die Zeit, die mir noch bleibt, ganz bewusst erleben. Ich möchte jede Begegnung genießen, so viele Menschen wie möglich besuchen, gemeinsame Zeit verbringen, Erinnerungen sammeln und jeden einzelnen Moment in meinem Herzen festhalten. Ich möchte diese letzten Wochen nicht mit Abschiednehmen verbringen, sondern mit Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass ich all das überhaupt erleben durfte.

    Schon jetzt weiß ich, dass dieses Jahr mich mein ganzes Leben begleiten wird. Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe hier nicht nur ein Land kennengelernt, sondern ein zweites Zuhause gefunden. Ein Zuhause voller Menschen, die mich geprägt, getragen und geliebt haben. Ein Zuhause in das ich jederzeit und immer zurückkommen darf und zu 100% aufgekommen werde.

    Dafür werde ich für immer dankbar sein.

    Und egal, wohin mein Weg jetzt führt: Ein Teil meines Herzens wird für immer in Tansania bleiben.❤️

    Ein kleiner lustiger travel recap zum Schluss:

    Tage: 25

    Distrikts: 9

    Busfahrten: 107h

    Busse: 16

    Boda Boda (Motorrad-Taxi): 50+

    Bajaji (TukTuk): 7

    Sidequests: ♾️ 

    Nächte bei Fremden geschlafen 3

    Neue Freundschaften: ganz viele

    Kostenloses Essen bekommen: 11

    Der Gedanke „mein letztes Stündchen hat geschlagen“: 2

    Busunfälle: 1

    Bus stecken geblieben: 3

    Irgendwo im nirgendwo gestrandet: 2

    Lebensmittelvergiftung: 1

    Lachkrämpfe: ♾️

    Fotos: 1063

    Spotify Minuten: 5979

    Neue Telefonnummern: 30+

    1 GROSSES ABENDTEUER

    Danke Friedrich/Frodo/Burgas für die Zeit als absolut großartiger Travel Buddy. Danke für jeden Lachkrampf, für jedes Gespräch, für jede Runde Kartenspielen, für jedes gemeinsame Warten, für jedes Improvisieren unterwegs und das dann am Ende doch immer irgendwie alles funktioniert hat. Danke für jedes Abenteuer, jede spontane Idee und dafür, dass du einfach alles mitgemacht hast. Danke für jeden Moment, wo wir mal wieder das gleiche gedacht haben.🤝😅

    Ich freue mich jetzt schon auf unseren nächsten Trip, wenn Ernest & Burgas bzw. JoFrie wieder gemeinsam am Start sind.🫶

    Bleibt alle gesund und bis bald.

    Alles Liebe aus Rulenge

    Joana🥰

  • 13. Mein Mai in Tansania

    Hallo ihr Lieben,

    Der Monat Mai ist so schnell vergangen, und es ist so viel passiert. Leider kam ich auch nicht früher dazu, diesen Blogpost zu schreiben, und jetzt ist schon Mitte Juni.😱 Ich sitze hier gerade auf meiner 36 Stunden Busfahrt und schreibe euch jetzt diesen Blog. Zu dieser Busfahrt gibt’s dann im nächsten Blog mehr. Infos😅

    Spoiler Alert: Es wird ganz, ganz viele Bilder geben!🫶📸

    Alles hat mit einer großen Veränderung begonnen, denn ich habe mir die Haare machen lassen. Sieben Stunden lang saß ich im Friseursalon und ließ mir die Haare flechten, natürlich mit Extensions. Es hat überraschend wenig wehgetan, und auch im Alltag kam ich super damit klar. Ich habe mich sofort verliebt. 💕

    Der Mai bestand aus vielen kleinen Alltagsglücklichkeiten. Jeder Tag war gefüllt mit schönen Momenten: Freunde treffen, mit meiner Mentorin kochen, den Markt besuchen und wunderbare Erfahrungen auf der Arbeit sammeln.

    Ich kann immer noch nicht glauben, wie viel ich dort tun darf und wie sehr mich diese Arbeit bereichert. Der Alltag fühlt sich dadurch einfach wunderschön an. Morgens aufzuwachen und sich so sehr auf die Arbeit zu freuen, dass es keinen einzigen Tag gibt, an dem man nicht gerne aus dem Bett kommt, ist ein echtes Geschenk. Und abends gehe ich mit einem breiten Grinsen schlafen.

    Da der Arzt, mit dem ich auch befreundet bin, leider weggezogen ist, merken wir im Alltag deutlich, dass jemand fehlt. Sein Fehlen ist überall spürbar, und für uns alle bedeutet das eine deutlich höhere Arbeitsbelastung. Für mich heißt das: noch mehr Aufgaben und gleichzeitig auch mehr Verantwortung.

    Trotzdem macht mir die Arbeit nach wie vor unglaublich viel Spaß, und ich lerne jeden Tag unendlich viel dazu.

    Irgendwann habe ich mir dann auch ein paar Urlaubstage genommen, um ein bisschen runterzukommen. Die letzten Wochen waren unglaublich intensiv. Wir haben jeden Tag weit über unsere regulären Arbeitszeiten hinaus gearbeitet und viele Nächte im OP-Saal verbracht. An manchen Tagen habe ich 16 bis 18 Stunden gearbeitet.

    Natürlich hätte ich jederzeit nach Hause gehen dürfen, aber das hätte sich für mich einfach nicht richtig angefühlt. Und wenn ich die Möglichkeit bekomme, bei einer Operation dabei zu sein, kann ich einfach nicht Nein sagen. Gerade jetzt kann ich so unglaublich viel lernen, und ich weiß, dass ich eine solche Chance nicht so schnell wieder bekommen werde.

    Gleichzeitig habe ich nach einigen Wochen gemerkt, wie anstrengend das alles eigentlich ist. Deshalb habe ich mir eine Woche Urlaub genommen und bin nach Mwanza gefahren, um meine Freundin Loana zu treffen. Wir haben in einem Hostel übernachtet und waren sooo glücklich darüber, dass es dort richtige Bettdecken gab, denn die gibt es hier normalerweise nicht.

    Wir hatten total schöne Gespräche, und es tat gut, mal wieder mit einer Deutschen unterwegs zu sein. Außerdem haben wir einiges in Mwanza unternommen.

    In einem Café haben wir außerdem einen Amerikaner kennengelernt, den wir abends zusammen mit seinem Freund noch einmal getroffen haben. Wir haben uns Henna-Tattoos gemalt und Billard gespielt.

    Another day, another sidequest.😅

    Nach drei Tagen in Mwanza ging es für mich weiter ins Katoke Seminar, wo ich zwei Nächte geblieben bin. Ich kam pünktlich zur Muttertagsfeier an, durfte wieder Englisch unterrichten, und es war einfach schön, alle wiederzusehen.

    Das Seminar in Katoke ist inzwischen ebenfalls zu einem Zuhause für mich geworden. Einfach ein wunderbarer Ort.

    Und am Dienstagabend ging es dann mit dem Bus von Katoke nach Kampala in Uganda. Wir hatten zwei nationale Feiertage in Tansania, und so konnte ich nach einem verlängerten Wochenende gleich anderthalb Wochen Urlaub machen.

    Dort habe ich die Freiwillige Sharleen besucht, die ich im Seminar in Bagamoyo kennengelernt habe.

    Die Busfahrt dauerte genau zwölf Stunden über Nacht und war super angenehm. Vom Bus-Conductor habe ich nachts sogar ein Kissen und eine Decke bekommen.😂 Irgendwie hatte die Fahrt etwas total Beruhigendes. Mitten in der Nacht zu fahren, aus dem Fenster zu schauen, zwischendurch an kleinen Busstationen anzuhalten, dann zu schlafen und in einem anderen Land aufzuwachen, war einfach ein besonderes Gefühl.

    Wir haben etwa anderthalb Tage Kampala angeschaut, europäisches Essen gegessen und einfach die gemeinsame Zeit genossen. Danach ging es weitere fünf Stunden mit dem Bus nach Hoima zu Sharleens Einsatzstelle. Sie wohnt dort in einem Hotel und arbeitet in der Küche. Dort hat sie allerdings auch ihre eigene kleine Küche, in der wir abends super leckeres Sauerteigbrot gegessen haben. Neun Monate ohne richtiges Brot war das ehrlich gesagt ein echtes Highlight.😅

    Sharleen hat mir alle coolen Orte in Hoima gezeigt, inklusive des Nachtlebens, und sogar eine Gym-Session haben wir zusammen gemacht. Es war einfach schön, mit jemandem unterwegs zu sein, die das Leben als Freiwillige genauso versteht und ähnliche Erfahrungen macht.

    Wir hatten unglaublich viele gute Gespräche und mussten gleichzeitig über die absurdesten Situationen lachen, die hier inzwischen irgendwie ganz normal geworden sind. Denn es gibt doch viele Überschneidungen zwischen Tansania und Uganda, besonders im Verhalten der Menschen😂

    Nach ein paar Tagen ging es für mich zurück nach Kampala und abends direkt wieder in den Bus nach Tansania. Obwohl die Reise nur relativ kurz war, hat sie sich irgendwie viel länger angefühlt, weil ich in dieser Zeit so viel erlebt habe.

    Es war wirklich beeindruckend, noch ein weiteres Land sehen zu dürfen. Im Vergleich zu Tansania wirkt Uganda deutlich weiter entwickelt: besser ausgebaute Straßen, fast alle sprechen perfektes Englisch, es gibt viele westliche Läden auch in ländlicheren Regionen, und ich habe sehr viele weiße Menschen gesehen, was ich aus Tansania so gar nicht gewohnt bin.

    Gleichzeitig hatte Uganda aber trotzdem eine ganz eigene Atmosphäre. Durch die vielen Busfahrten konnte ich in kurzer Zeit wirklich viel Schönes von Uganda, der „Perle Afrikas“, sehen.

    Nach Uganda ging es für mich erst einmal wieder zurück in meinen Alltag. Ich habe den Bischof getroffen, einiges mit Freunden unternommen und viel gearbeitet.

    Und mal wieder schreibe ich diesen Satz: Es macht mir einfach unglaublich viel Spaß. Ich durfte wieder so viele neue Dinge sehen und erleben. Jeder Tag bringt neue Erfahrungen mit sich, und genau das liebe ich gerade so sehr an meinem Leben hier.

    Es war einfach toll.

    letztes Foto bevor die Haare nach 3 Wochen wieder aufgemacht wurden, da meine natürlichen Haare zu schnell gewachsen sind😅

    Mitte Mai gab es für mich dann auch noch riesige Neuigkeiten. Ich hatte mich an der Semmelweis Universität in Budapest für ein Medizinstudium beworben. Und ich habe eine Zulassung bekommen und werde Anfang August nach Budapest umziehen, um dort mit dem Medizinstudium zu starten.

    Ich habe mich so unglaublich darüber gefreut und bin schon total aufgeregt. Mittlerweile habe ich sogar eine WG gefunden und werde mit Benedikt und Mattis, beides Medizinstudenten, in einer Dreier-WG im Zentrum von Budapest zusammenwohnen.😍

    Und Ende Mai kam dann noch Anika, meine Freundin aus Deutschland. Ich habe sie in Rusumo an der Grenze zu Ruanda abgeholt, und dann ging es erst einmal für ein paar Tage nach Rulenge.

    Neben Essen im Barikiwa, Leute kennenlernen, dem Angels Home sowie dem Krankenhausbesuch waren wir auch noch bei dem Junggesellenabschied meiner Freundin. Es war total cool, weil Anika so sofort einen riesigen Einblick in das tansanische Leben bekommen hat.

    Für mich war es ein riesiges Geschenk, denn sie hat sich von Anfang an auf alles eingelassen, ist überall mit hingegangen und hat alles ausprobiert, besonders beim Essen.

    Nach ein paar Tagen in Rulenge ging es für uns mit dem Bus nach Mwanza. Mittlerweile kenne ich mich dort wirklich gut aus, sodass ich ihr in zwei Tagen echt viel zeigen konnte: von den Bismarck Rocks über hektische Märkte, einem Sonnenuntergang an einer Aussichtsplattform, Tempel und die Straßen allgemein.

    Wir haben uns dort auch noch mit meinen Freunden getroffen, und Anika hat sich sogar ein Kleid schneidern lassen. An einem Nachmittag haben wir dann alle zusammen einen Ausflug an den See gemacht, das war wirklich total schön.

    Und dann ging es für uns nach Sansibar. Früh morgens ging es los, und wir waren beide total aufgeregt, besonders ich, weil ich wusste, dass es noch einmal etwas ganz anderes werden würde als alles, was ich bisher von Tansania gesehen habe, und ich selbst noch nie dort gewesen war.

    Unsere ersten zwei Tage haben wir in Zanzibar City, Stone Town, verbracht. Eine tolle Altstadt mit schönen Ecken. An einem Tag haben wir einen Bootsausflug zur Sandbank „Nakupenda Island“ und zur Prison Island gemacht. Das war ein unglaublich schöner Tag, an dem wir uns direkt in die wunderschöne Farbe des Wassers verliebt haben.

    Dort habe ich mich außerdem in Seafood verliebt. Vorher hatte ich zwar schon Fleisch gegessen und ab und zu Fisch, aber der Fisch, der direkt aus dem Meer kam, war unfassbar lecker. Auch beim Night Food Market haben wir es uns gut gehen lassen.

    Anschließend ging es weiter nach Nungwi im Norden Sansibars. Dort haben wir erstmal am Strand gechillt und wirklich nichts getan, nur gelesen, zum Essen aufgestanden und ins Meer gehüpft. Das war entspannend und richtig schön. Da wir in der Nebensaison dort waren, war nicht viel los, allerdings hatten wir immer mal wieder Regenschauer, die zum Glück schnell wieder vorbeigezogen sind. Gleichzeitig war die Aufmerksamkeit der Verkäufer am Strand noch mehr auf uns gerichtet, das war teilweise auch echt anstrengend.

    In Nungwi haben wir dann eine Schnorcheltour gemacht, bei der wir eine riesige Vielfalt an Fischen gesehen haben und sogar mit Delfinen schwimmen konnten. Das war ein echtes Highlight. Dort haben wir vier Norwegerinnen kennengelernt, die mit uns die Tour gemacht haben. Mit ihnen haben wir uns sofort super verstanden und sie am nächsten Tag noch einmal getroffen, um gemeinsam eine Meeresschildkrötenhöhle zu besuchen.

    Nach Nungwi ging es für uns weiter nach Jambiani. Dort haben wir meine Freundin Loana aus Mwanza getroffen und mit ihr zusammengewohnt. Jambiani liegt an der Ostküste und ist für Sansibar noch sehr lokal und nicht so überlaufen vom Tourismus, was ich persönlich total angenehm fand und wo ich mich sehr wohl gefühlt habe. Wir haben viel erkundet, ich habe mir meine Haare wieder machen lassen und wir haben einfach gechillt.

    Anschließend ging es zurück nach Stone Town und dann hieß es schon wieder: Bye-bye, Anika. Für sie ging es direkt mit dem Flieger zurück nach Deutschland, und für mich ging es mit der Fähre zurück aufs Festland nach Dar es Salaam.

    Jetzt möchte ich noch ein paar persönliche Gedanken zu Sansibar mit euch teilen.

    Sansibar ist ein wunderschöner Ort mit traumhafter Landschaft, aber die Zeit dort hat mich gleichzeitig sehr beschäftigt und zum Nachdenken gebracht.

    Auf der einen Seite ist da dieses Paradies: türkisfarbenes Wasser, weiße Strände, warme Abende und Sonnenuntergänge, die fast unwirklich wirken. Genau das fotografiert man, genau das verbindet man mit Sansibar. Und da möchte ich mich gar nicht ausnehmen. Auch ich habe deutlich mehr Fotos vom Strand und vom Meer gemacht als von den anderen Seiten der Insel.

    Denn es gibt auch eine andere Seite.

    In den Wohngebieten vieler Einheimischer sieht man kaputte Straßen, einstürzende Dächer, verfallene Häuser und viel sichtbare Armut. Und nur wenige Meter weiter stehen luxuriöse Villen mit Pools, gepflegten Gärten, Security, sauberen Straßen und allem, was perfekt wirkt. Dieser Kontrast war ständig präsent und hat mich tief getroffen.

    Besonders beschäftigt hat mich, dass in vielen dieser Häuser Menschen leben, die für längere Zeit auf Sansibar bleiben, beispielsweise zum Arbeiten. Oft sind es Menschen aus westlichen Ländern (Weiße), die dort ein sehr privilegiertes Leben führen. Während meiner Zeit habe ich dazu auch viele Social-Media-Inhalte gesehen. Dort wurde ganz selbstverständlich erzählt, man unterstütze die lokale Bevölkerung, indem man Menschen zum Kochen oder Putzen anstellt.

    Oder Aussagen wie: „Hier ist alles so billig, ich habe meine Wäsche einfach einer Frau auf der Straße gegeben und sie hat sie für 500 Shilling gewaschen.“ Das sind ungefähr 12 Cent.

    Natürlich bedeutet das Arbeit und Einkommen für die Menschen vor Ort. Trotzdem hat mich die Art, wie darüber gesprochen wird, nachdenklich gemacht. Oft hatte ich das Gefühl, dass die enorme Ungleichheit, die hinter solchen Situationen steckt, dabei völlig ausgeblendet wird.

    Sansibar ist stark auf Tourismus ausgerichtet. Viele Menschen sprechen Englisch, sind an Tourist:innen, insbesondere an weiße Besucher:innen, gewöhnt, und vieles scheint auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten zu sein. Man wird ständig angesprochen, überall wird etwas verkauft, und selbst ruhige Momente am Strand sind selten wirklich ruhig.

    Auch kulturelle Angebote wie Massai-Tänze am Strand haben mich beschäftigt. Natürlich gehören die Massai zur tansanischen Kultur. In diesem Kontext wirken solche Aufführungen für mich aber wie eine Inszenierung für Tourist:innen als wie gelebter Alltag. Bitte versteht mich nicht falsch: Ich weiß, warum Menschen das tun. Der Tourismus ist für viele die Lebensgrundlage. Trotzdem finde ich Aussagen schwierig wie: „Ich bin tief in die tansanische Kultur eingetaucht, weil ich zwei Wochen auf Sansibar war.“

    Natürlich verstehe ich auch, warum Menschen genau dorthin reisen. Wer Urlaub macht, möchte weiße Strände und türkisblaues Wasser sehen und nicht unbedingt kleine Dörfer auf dem Festland besuchen. Und ganz ehrlich: Ich selbst bin ja aus genau diesem Grund nach Sansibar gefahren. Trotzdem glaube ich, dass man dabei nur einen sehr kleinen Ausschnitt des Landes kennenlernt und der Alltag der meisten Tansanier:innen ganz anders ist.

    Ich möchte mich dabei überhaupt nicht besser darstellen. Auch ich habe auf Sansibar in Hostels geschlafen, Pizza und Sushi gegessen und mehr Fotos vom Strand gemacht als von den schwierigen Realitäten vor Ort. Gleichzeitig habe ich versucht, Touren möglichst direkt bei Menschen vor Ort zu buchen und nicht über große internationale Plattformen wie GetYourGuide oder andere westliche Anbieter. Die Menschen leben vom Tourismus, und deshalb war es mir wichtig, dass möglichst viel Geld auch tatsächlich bei ihnen ankommt.

    Was mich aber am meisten beschäftigt hat, ist der Kontrast zu dem Tansania, das ich aus anderen Regionen, besonders aus Rulenge, kenne.

    Diese Schere zwischen Arm und Reich war mir schon vorher aufgefallen. Zum Beispiel dann, wenn ich erlebt habe, dass sich manche Priester jeden Abend ein Drei-Gänge-Menü leisten können, während sich wenige Meter weiter fünf Kinder einen Teller Ugali mit Bohnen teilen müssen und trotzdem nicht satt werden. Solche Gegensätze haben mich schon früher beschäftigt.

    Auf Sansibar ist mir diese Ungleichheit jedoch noch einmal viel deutlicher begegnet. Dort war sie überall sichtbar. 

    In den Vorbereitungsseminaren für den Freiwilligendienst wurden wir immer auf die Armut in Tansania vorbereitet. Das war wichtig und richtig, denn ich begegne ihr hier jeden Tag. Worauf ich jedoch nicht vorbereitet wurde, war der Reichtum. Oder vielleicht besser gesagt: auf diese Form von Reichtum, die direkt neben großer Armut existiert.

    Und ehrlich gesagt hat mich genau das mehr schockiert als die Armut selbst.

    Vielleicht haben mich diese Gedanken deshalb so beschäftigt, weil ich die letzten 10 Monate in einem ganz anderen Teil Tansanias gelebt habe. Nach zehn Tagen Sansibar war ich jedenfalls froh, wieder auf dem Festland zu sein. Nicht, weil mir die Insel nicht gefallen hätte, sondern weil mich all diese Eindrücke und Gedanken nicht losgelassen haben.

    Ich weiß, dass diese Gedanken unterschiedlich aufgenommen werden können und dass manche die Situation vielleicht anders sehen. Aber genau diese Gedanken haben mich während meiner Zeit auf Sansibar begleitet. Und weil ihr wisst, wie wichtig mir Transparenz ist, wollte ich meine persönlichen Erfahrungen und Gedanken mit euch teilen.❤️

    Wie es dann für mich alleine weiterging, erfahrt ihr im nächsten Blog, denn meine Reise geht weiter! 

    Ich hoffe es geht euch allen gut, bleibt gesund. 

    Alles Liebe❤️

    Joana

  • 12. Zwischen vielen wunderschönen Momenten, Schocksituationen und schwierigen Zeiten

    12. Zwischen vielen wunderschönen Momenten, Schocksituationen und schwierigen Zeiten

    Habari, hamjambo? Za Ujerumani? Natumaini mko salama na mnaendelea vizuri. Mwezi mpya, uzoefu mpya na matukio mengi mapya, lakini pia nyakati ambazo zilinifanya nihisi hofu kubwa sana.

    Hallo, wie geht es euch? Was gibt es Neues aus Deutschland? Ich hoffe, es geht euch allen gut. Ein neuer Monat, neue Erfahrungen und viele neue Erlebnisse, aber auch Momente, die mir unfassbar viel Angst gemacht oder mich traurig gemacht haben.

    Der April begann für mich mit einer der schönsten Zeiten, die ich hier bisher erleben durfte: der Osterzeit. Ich wusste, dass Ostern hier intensiv gefeiert wird, aber ich hätte nie gedacht, wie besonders, emotional und tiefgehend diese Tage sein würden.

    Osterzeit

    Es begann schon mit dem Palmsonntag Ende März. Die Messe startete draußen, wir alle mit großen Palmzweigen in der Hand. Als wir gemeinsam in die Kirche einzogen, war die Stimmung voller Energie, Musik und Leben, sodass ich direkt Gänsehaut hatte. Der Gottesdienst dauerte lange, aber das spielt hier keine Rolle. Die Zeit kommt einem nicht lang vor, weil man jede Sekunde genießen kann.

    Am Gründonnerstag waren wir vormittags noch arbeiten und sind um 16 Uhr in die Messe gegangen. Anfangs war alles wie gewohnt laut, voller Musik und Freude, doch nach und nach wurde es ruhiger und intensiver. Diese Veränderung war deutlich spürbar. Nach dreieinhalb Stunden sind wir nach Hause gegangen und ich habe eine Tradition aus Deutschland mitgebracht. Wir haben das letzte Abendmahl mit „deutschem Vesper“ gefeiert. Ich hatte vorher Gurken eingelegt, Hummus gemacht und Baguette gebacken. Es war ein besonderer Moment, ein Stück Heimat nach Tansania zu bringen, verbunden mit etwas Verwirrung bei den Tansaniern hahaa.

    Der Karfreitag war ganz anders: ruhiger, schwerer und ein bisschen bedrückend. Die Kirche war voll, aber die Stimmung eine völlig andere: still, konzentriert und sehr greifbar. Nach dem Gottesdienst bin ich ins Angels Home gegangen, wo über die Feiertage die Kinder aus der Schule zurück waren. Ich blieb zum Abendessen und war mit einer Schwester auf dem Feld, um Gemüse zu holen. In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, wie schön dieser Ort ist. Landschaftlich ein Traum und menschlich einfach so besonders.

    Der Samstag war entspannter. Ich habe gebacken, Zeit mit Freunden verbracht und war bei Mother General Sister Dativa. Am späten Abend begann dann die Osternacht. Draußen mit einem großen Feuer, dann ging es in die Kirche. Fast 100 Taufen und Firmungen. Die ersten Reihen waren voll mit Kindern und Jugendlichen, und auch am Feuer war klar, dass die Kleinen nach vorne durften. Hier absolut keine Frage.

    Diese Messe ist kaum in Worte zu fassen. Sie dauerte fast sechs Stunden, aber als das Gloria begann und wieder gesungen, geklatscht und gefeiert wurde, war es einfach überwältigend. Diese Freude, diese Energie, diese Gemeinschaft, so etwas habe ich noch nie erlebt.

    Nach dem Gottesdienst gab es eine kleine Auferstehungsfeier mit Wein und Essen. Gegen 4 Uhr waren wir im Bett, aber morgens um 6 Uhr ging es direkt weiter mit dem Ostergottesdienst. Die Kirche war komplett überfüllt, Menschen saßen auf dem Boden, standen draußen und wollten einfach dabei sein. Ostern wurde hier nicht nur gefeiert, es wurde gelebt.

    Für mich war das unglaublich bewegend. In Deutschland hatte ich oft das Gefühl, dass Ostern leiser geworden ist. Hier war es das Gegenteil: Tage voller Gemeinschaft, Emotionen und Bedeutung. Dazu kam, dass wir bewusst auf Handys verzichtet haben, nur für Fotos oder wichtige Anrufe. Das hat sehr gutgetan: einfach da sein, ohne Ablenkung. Auch wenn ich meiner Familie damit kurz einen Schock verpasst habe, weil ich nicht erreichbar war.

    Am Ostermontag war ich morgens im Gottesdienst, habe Zeit mit Freunden verbracht und war abends im Krankenhaus. Dort kam ein Notfall für eine Operation rein und ich durfte wieder assistieren. Bei einem Kaiserschnitt durfte ich sogar das Skalpell führen und erste Fäden nähen. Ich war sehr dankbar für dieses Vertrauen.

    Schlangenbiss

    Ja, und dann passieren manchmal Dinge im Leben, mit denen niemand rechnet. Dinge, die alles von einem Moment auf den anderen verändern können.

    Am Dienstagmorgen nach Ostern brachte ich meinen Müll raus. Alles wie immer. Plötzlich spürte ich ein Pieksen am Fuß. Als ich nach unten schaute, sah ich eine große Schlange direkt neben meinem Fuß. Ich erschrak, sprang zurück und trat dabei versehentlich auf ihren Schwanz. Dann biss sie zu.

    Zuerst wollte ich es nicht wahrhaben. Ich sah keine Bissstelle und dachte, vielleicht ist nichts passiert. Doch wenige Minuten später wurde mir im Haus schwindelig. Ich wollte noch den Arzt anrufen, wurde aber vorher bewusstlos.

    Als ich wieder bei Bewusstsein war, hatte ich große Angst. Der Arzt kam sofort und ich bekam das Gegengift im Krankenhaus. Trotzdem verschlechterte sich mein Zustand stündlich.

    Mein Körper tat überall weh, mein Bein brannte, ich bekam Fieber, konnte nur schwer atmen und hatte Schmerzen in der Brust. Am schlimmsten war mein Kopf: Ich wurde immer wieder desorientiert, vergaß alles und wusste zeitweise nicht mehr, wer ich bin oder warum ich im Krankenhaus war. Ich konnte plötzlich kein Deutsch und kein Kiswahili mehr sprechen, nur noch Englisch.

    Diese Momente waren extrem beängstigend. Immer wieder war ich kurz klar und dann wieder völlig weg. Und jedes Mal, wenn ich „zurückkam“, wusste ich nicht, was passiert war. Dieses Gefühl, die Kontrolle über den eigenen Kopf zu verlieren, war das Schlimmste.

    Gleichzeitig waren viele Menschen um mich herum, die sich sorgten. Das war sehr lieb gemeint, hat mich aber oft überfordert. Ich konnte niemanden richtig einordnen, keine Fragen beantworten und vergaß alles sofort wieder. Irgendwann wurde mein Zimmer abgeschlossen, damit ich Ruhe hatte und nur noch medizinisches Personal zu mir konnte.

    Als klar wurde, dass sich mein Zustand nicht stabilisiert und die Möglichkeiten vor Ort nicht ausreichen, wurde ich von der Versicherung nach Nairobi geflogen. Vor der Verlegung hatte ich großen Respekt, besonders nach meiner letzten Erfahrung in Mwanza. Zumal ich dieses Mal wegen des Visums alleine reisen musste.

    Ich hatte weiterhin starke Schmerzen, war immer wieder desorientiert, verlor zeitweise das Bewusstsein und mein Fuß schwoll stark an. Zusätzlich zog sich ein roter Strich von der Bissstelle bis zum Kopfansatz. Jedoch konnten in Nairobi dann umfassende Untersuchungen durchgeführt werden, darunter Bluttests, Ultraschall und ein MRT des Kopfes.

    Nach und nach kam dann glücklicherweise Entwarnung. Die Untersuchungen waren unauffällig und die Medikamente zeigten Wirkung. Ich bekam weitere Dosen des Gegengifts und wurde von einem sehr guten Tropenmediziner betreut, der mir erklärte, dass ich von einer Boomslang gebissen wurde. Diese Schlange verursacht oft verzögert einsetzende, dann aber stark zunehmende Symptome, wenn nicht konsequent mit Antivenom behandelt wird. Auch Panikreaktionen können auftreten, wie bei mir in der Form von Desorientierung.

    Ich wurde sehr gut versorgt und mein Zustand besserte sich schnell. Gleichzeitig war es eine neue Erfahrung, mir ein Zimmer mit fast 40 anderen Patient*innen zu teilen, nur durch einen Vorhang getrennt. Ein ganz anderer Umgang mit Raum und Privatsphäre, als ich ihn bisher kannte. Als ich das hörte, war ich auch echt in Sorge, da ich eben alleine war und ich es mir sehr laut vorstellte. Aber im Endeffekt war es vollkommen okay.

    Nach vier Tagen durfte ich das Krankenhaus verlassen. In diesem Moment war ich einfach nur unendlich erleichtert.

    Und nach ein paar Tagen Erholung bin ich zurück nach Rulenge gereist. Ich war sehr glücklich, wieder da zu sein, und alle meine Mitmenschen ebenso. Die Versicherung fragte noch, ob ich nach Deutschland möchte, aber für mich war klar: Ich gehe nach Hause. Nach Rulenge ❤️

    Heute geht es mir wieder gut. Ich habe noch ein paar Erinnerungslücken, aber körperlich ist alles wieder in Ordnung. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, wird mir bewusst, wie viel Glück ich hatte und wie schlimm das alles hätte enden können. Ich bin unglaublich dankbar für alle die mich dabei unterstützt haben. Vom Arzt in Rulenge, der mir wortwörtlich das Leben gerettet hat, alle aus dem Dorf, meine Familie in Deutschland die immer erreichbar waren und das Krankenhaus in Nairobi. Danke danke danke❤️

    Krankenhausalltag

    Nach der Erholung ging es direkt zurück ins Krankenhaus. Kein langsamer Einstieg, aber sehr spannend. Ich durfte wieder viel sehen und lernen: Verbrennungen, Unfälle, Amputationen, Knochenbrüche und hochinfizierte Wunden.

    Ich darf immer mehr selbst machen, besonders in der Ambulanz und im Operationssaal. Der Arzt fragt mich oft: Was würdest du jetzt tun? Und wenns nicht stimmt, korrigiert er mich und lässt es mich danach selbst durchführen. Ich arbeite immer eigenständiger, natürlich immer unter Aufsicht, aber ich darf aktiv in der OP assistieren, am Patienten arbeiten und in der Ambulanz Anamesegespräche führen.

    In den letzten Wochen war das Krankenhaus komplett überfüllt: über 55 stationäre Patient:innen, eine volle Ambulanz und Notaufnahme und ständig neue Operationen, die rund um die Uhr reinkamen.

    Dabei wurde mir im stressigen Alltag nochmal sehr deutlich, wie groß der Personalmangel und der Mangel an Ressourcen hier tatsächlich sind. Man merkt einfach, wie sehr alles an der Belastungsgrenze läuft.

    Trotzdem machen mir diese Tage unendlich viel Spaß. Gerade weil ich immer mehr selbst übernehmen und mich aktiv einbringen kann, vergehen die Tage extrem schnell. Es ist eine unglaublich spannende und erfüllende Arbeit.

    Und besonders liebe ich: Jeder Tag ist anders. Man wacht morgens auf und weiß nie, was einen erwartet.

    Todesnachricht in meiner Familie

    Und nach ein paar Tagen schöner Arbeit, gerade zurückgekommen und noch nicht ganz erholt vom Schock des Schlangenbisses, habe ich die Nachricht bekommen, dass mein Opa gestorben ist. Er war schon seit längerer Zeit schwer krank, und es war auch ein bisschen zu erwarten. Trotzdem hatte ich gehofft, dass ich ihn noch einmal sehen kann. Das hat leider nicht geklappt. Das war wirklich sehr schwer, auch wenn ich froh bin, dass er von seinem großen Leid erlöst wurde.

    Er war ein unglaublich wichtiger Mensch für mich, mit dem ich sehr viel Zeit verbracht habe. Ich hätte ihm so gerne alles aus Tansania erzählt, ihm Bilder gezeigt und ihn vor allem noch einmal gedrückt.

    Aber auch das gehört zum Leben dazu. Und ich bin einfach unendlich dankbar, dass ich in so einem tollen Umfeld hier in Rulenge bin und meine Mitmenschen mich durch diese schwere Zeit getragen haben. Sie sind mit mir in die Messe gegangen, kamen mit Kerzen zu mir nach Hause, haben mich zum Essen eingeladen und für Ablenkung gesorgt. Dafür bin ich wirklich unglaublich dankbar. Sonst hätte ich diese Zeit vermutlich nicht so gut überstanden.🫶

    Neue Challenges

    Diesen Monat gab es auch nochmal neue Herausforderungen, weil ich längere Zeit keinen Strom und kein Wasser hatte. Regenzeit, Gewitter, verstopfte Leitungen, geplatzte Rohre und damit ständige Ausfälle. Nicht nur für ein paar Stunden, sondern teilweise mehrere Tage am Stück.

    Mir ist dabei erst richtig bewusst geworden, wie abhängig mein Alltag eigentlich von Strom ist. Ich habe viel bewusster eingekauft, weil ich nichts in den Kühlschrank tun konnte. Und draußen ist es so warm, dass Lebensmittel einfach super schnell schlecht werden.

    Kochen war oft eher Improvisation. Ohne Licht, nur mit Taschenlampe, und immer mit dem ständigen Gefühl, vorsichtig sein zu müssen, weil man einfach kaum etwas sieht.

    Auch beim Duschen musste ich kreativ werden. Mein Wasser läuft über eine Pumpe, das heißt: kein Strom bedeutet auch kein Wasser. Wenn überhaupt, kam nur noch wenig aus dem Wasserhahn, oft aber dreckiges, schlammiges Wasser durch den Regen. Also habe ich angefangen, Regenwasser zu sammeln, eine große Tonne rausgestellt und mich damit im Haus geduscht.

    Wäsche habe ich per Hand gewaschen, was wirklich Zeit kostet, und auch beim Abwasch musste ich immer wieder auf die Regentonne zurückgreifen. Alles war plötzlich aufwendiger, langsamer und anstrengender.

    Mein Handy habe ich kaum genutzt, weil wir oft kein Netz hatten. Meine Powerbank konnte ich zwar im Krankenhaus laden, aber ohne Netz konnte ich mein Handy nicht nutzen. Also habe ich mein Handy einfach zu Hause gelassen und bin direkt zu den Leuten gegangen, weil man sich ja ohnehin nicht mehr verabreden konnte. Und ehrlich gesagt war das richtig schön. Weniger Handy, mehr echte Begegnungen, alles viel direkter und persönlicher.

    Am Anfang war das alles ziemlich anstrengend: ständig im Dunkeln zu sitzen, nicht richtig duschen zu können und für jede Kleinigkeit plötzlich Stunden zu brauchen. Für ein paar Stunden war ich das gewohnt, aber über mehr als einen Monat hinweg war es nochmal etwas ganz anderes. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass ich die Situation sowieso nicht ändern kann. Und trotzdem findet man erstaunlich schnell seinen Weg. Man gewöhnt sich daran, wird kreativer, findet Lösungen und passt sich an.

    Gleichzeitig lernt man, die kleinen Dinge viel mehr zu schätzen. Wenn ich jetzt morgens aufstehe, weiß ich nie, ob es Strom gibt oder nicht. Und wenn ich dann auf den Lichtschalter drücke und es funktioniert, freue ich mich jedes Mal riesig.

    Ich habe gemerkt, dass man immer einen Weg findet, auch wenn es am Anfang nicht so wirkt. Man muss nur flexibel bleiben und lernen, die Situation so anzunehmen, wie sie ist. Ich habe zwar immer noch nicht konstant Strom und Wasser, aber ich weiß jetzt, wie ich meinen Alltag so organisiere, dass es funktioniert, ohne dass alles Stunden dauert. Zum Beispiel koche ich, wenn es Strom gibt, direkt für mehrere Tage vor oder bereite Dinge so vor, dass ich sie auch ohne Kühlung lagern kann, zum Beispiel draußen in der Regentonne.

    Wechsel ins Krankenhaus

    Zum Schluss noch etwas, worauf ich nach meinem letzten Blog oft angesprochen wurde: warum ich nicht mehr im Angels Home arbeite.

    Der Hauptgrund ist mein Wunsch, Medizin zu studieren. Im Krankenhaus kann ich dafür praktische Erfahrung sammeln und mich schon jetzt besser auf das Studium vorbereiten. Außerdem sind im Angels Home mittlerweile nur noch wenige Kinder, die von den Schwestern und Betreuerinnen gut versorgt sind. Dadurch werde ich dort weniger gebraucht und habe nur noch wenige Aufgaben.

    Hinzu kommt etwas, das mir erst im Nachhinein richtig bewusst geworden ist: dass mich die erlebte Gewalt dort doch mehr belastet hat, als ich zunächst gedacht habe. Besonders nachts hat mich das beschäftigt, und manchmal bekam ich die Bilder nicht mehr aus dem Kopf.

    So wie ich es jetzt mache, fühlt es sich für mich besser an. Ich arbeite im Krankenhaus und bin am Abend bei den Kindern, spiele ein paar Stunden mit ihnen, esse mit ihnen und bringe sie ins Bett. Das ist für mich eine gute Balance, weil ich Zeit mit ihnen verbringen kann, ohne die belastenden Situationen. Die Kinder liegen mir sehr am Herzen, bitte versteht mich da nicht falsch.

    Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass es egoistisch wirken könnte, mir eine andere Arbeit zu suchen, gerade wenn es ihnen nicht gut geht und ich nur komme, wenn es schön ist. Aber ich musste mich selbst schützen. Ich glaube, es ist besser, ihnen jeden Abend zwei bis drei Stunden volle Aufmerksamkeit mit klarem Kopf zu schenken, als acht Stunden, in denen ich alle paar Minuten die Augen zumachen muss.

    Deshalb bleibe ich im Krankenhaus, besuche die Kinder täglich und bin besonders am Wochenende bei ihnen.

    Abschlussworte

    Auch dieser Monat ist wieder viel zu schnell vergangen. Es war kein leichter Monat, geprägt von Schock, Angst, Trauer, stressigem Arbeitsalltag, neuen Herausforderungen. Und trotzdem war es ein Monat voller Lernen und Wachstum.

    Ich blicke trotz allem total positiv zurück. Ich habe viel erlebt, viel gelernt und sogar kurz ein weiteres Land gesehen. Ich habe wunderschöne Ostern erlebt und aus schwierigen Situationen viel mitgenommen.

    Wie man sagt: Die schwierigste Phase in unserem Leben ist die beste Gelegenheit, um innere Stärke zu entwickeln.

    Und so ist es!

    Im Mai stehen Reisen an und meine Freundin aus Deutschland kommt mich besuchen, worauf ich mich sehr freue.

    Also ihr Lieben, bleibt gesund und bis bald.❤️

    Eure Joana

    Besuch von den Franziskanerinnen Schwestern in Rulenge
  • 11. My March in Tanzania

    11. My March in Tanzania

    Hello my dears, I hope you’re all doing well. There was so much going on that I didn’t get round to writing the report. But now!

    March went by incredibly fast. I can’t believe it’s already April.

    The month got off to a great start, as I started working at the hospital. 

    Work at the hospital

    At the beginning, I have to admit, I felt quite overwhelmed. So many new routines, countless impressions, new names and technical terms. Interestingly, Kiswahili wasn’t the big problem, it was all the medical terminology in English that is used in everyday work here. Google and my translator quickly became my best friends.😅

    After just the first day, I realized how much I truly enjoy this work. Within only a few weeks, I was able to do quite a lot. I joined ward rounds in the inpatient department, measured vital signs, followed diagnoses in the outpatient clinic and got to know the emergency room. I assisted with infusions and accompanied patients to ultrasound and X-ray. I also transported patients from the outpatient department to the wards, brining medications and helped move laboratory samples. In this way, I was involved in the daily hospital routine from the very beginning and was able to really understand how everything works.

    The surgeries were especially impactful. I was able to observe different procedures, such as cesarean sections, evaluations and fractures. I also took part in dressing changes, suture removal and wound care. Every experience deeply impressed me, even though it was quite challenging at the beginning.

    In a very short time, I was exposed to an incredibly wide range of medical conditions. It ranged from infectious diseases such as malaria, typhoid, tetanus, hepatitis or HIV, to flu and common colds, and even to severe emergencies like motorcycle accidents, sepsis, abortion or injuries caused by physical violence. I also encountered chronic and rarer conditions such as gout, sickle cell disease or neurological disorders, for example dementia or the disintegrative developmental disorder of a six-year-old child. This was complemented by everyday but equally important cases like pregnancies, pneumonia or parasitic infections.

    All of these experiences not only showed me how diverse diseases can be, but also truly sparked my passion for medicine.

    What has moved me most is the way people work here. Many processes differ from what I am used to in Germany, mainly because diagnostic options, materials and infrastructure are more limited. Decisions are therefore shaped by what is actually available, and care is adapted with a great deal of flexibility.

    At the same time, the hospital in Rulenge is surprisingly well equipped for the region here, with operating rooms, X-ray, ultrasound, wards, an emergency department and a well-stocked pharmacy. What stands out even more is how much it has developed over the past year. Where there were once hardly any rooms, crowded corridors and very limited access to medication, there is now a much more organized and functioning system.

    What I find especially impressive is the level of experience, attentiveness and responsibility with which people work under these circumstances.

    And this is where I may have learned the most important lesson. Medicine is not only about technology, equipment and perfect conditions. It is about working with what is available. It is about observing carefully, listening closely and taking responsibility.

    The doctors and nurses here do an incredible job every single day. With impressive expertise, creativity and above all, deep humanity. I have huge respect for their work. The way they interact with patients is incredibly compassionate and respectful. I have learned to see the person behind the illness, to listen, to create a sense of calm and to build trust.

    What I also really appreciate is the teamwork. There is no “above” or “below,” no strict hierarchy between doctors and nurses. People work together, support each other and stand up for one another. The overall atmosphere in the hospital is truly special. It is shaped by warmth, humor and mutual respect. Despite all challenges, there is laughter, and people go through the demanding daily routine together.

    For me personally, this is a very special experience. Not just learning procedures, but truly understanding what matters in medicine. Of course the knowledge is the most important, but so are empathy, teamwork, flexibility and the ability to stay calm and find solutions in difficult situations.

    From the very beginning, I was allowed to take on tasks, actively participate and ask questions at any time. No matter when or where. In just a few weeks, I have learned so much: medical knowledge, new Kiswahili terms and, most importantly, how to interact with different people and understand how the healthcare system works here. The longer I stay, the more I am allowed to try out myself.

    Already now, I would like to say a heartfelt thank you to the entire team for welcoming me so openly, teaching me so much every day and always making me laugh.

    A very special thank you goes to the doctor on site, who makes this experience truly unique for me. He takes so much time every day, explains everything patiently and answers all my questions, and there are a lot of them, usually starting with “why?”, “ehm” or “but how?” 😅 At the same time, he constantly challenges me to think for myself, understand connections and take responsibility. From the very beginning, he trusted me and even allowed me to try out my first practical skills, like giving infusions, which I am incredibly grateful for.

    He has also shared many of his study materials and books with me, so I now spend a lot of time studying during work and preparing for medical school. With his support, things don’t just stay theoretical, they actually start to make sense. Sometimes it feels like my brain is overheating 😅 but in the best way, because I am not just memorizing, I am slowly beginning to understand how everything is connected. And I truly enjoy every single second of it. I am very very thankful for him and this wonderful opportunity!

    Life besides hospital

    But of course, the month was not only about work. It was also filled with many more beautiful moments, especially a lot of time with my friends. It is truly nice to spend time together, talk, laugh and just be silly. These moments mean a lot to me.

    For one long weekend, I traveled to Kigali. The difference to Tanzania was immediately noticeable. Clean streets, well-developed infrastructure, helmets required for motorcycle rides, public buses, speed cameras and right-hand traffic again. The city itself impressed me, and the trip was really enjoyable, even if the timing was not perfect. The hospitality was just as warm as in Tanzania.

    Outside of the hospital, there were many other special moments. I visited a sister in her new home in Karagwe and spent a lot of time with the sisters in Rulenge. The afternoons and weekends with the children from Angels Home are also very important to me. I experienced a beautiful and energetic Palm Sunday, visited the mother of general several times, continued experimenting in the kitchen (tanzanian food) and enjoyed many small everyday moments. Whether at Barikiwa, with the seminarians, at friends’ homes, friends at my house or during conversations on the street, all of these moments made this month incredibly valuable.

    Farewell

    I also had to say goodbye to my fellow volunteer in mid-March. She had not been feeling well for some time and had to return to Germany. Before that, we took one last trip together to Bukoba, which became a truly special memory. We explored the beautiful city, had a picnic at the beach and spent hours talking about everything we had experienced together.

    Saying goodbye at the airport was really hard. Letting go of someone you have lived so closely with for months and shared everything with is not easy. Before coming here, we didn’t know each other, but in Tanzania we truly grew together. We experienced so much, had countless conversations, laughed endlessly and supported each other. Of course, there were also difficult moments and disagreements, but that is part of it too.

    After saying goodbye, I was a bit nervous about living alone in this big house. But in everyday life, this “being alone” is not as present as I had imagined. Between the hospital, time with friends and daily tasks, I am always busy. I have visitors often, visit others myself and am not truly alone.

    And still, there are moments when someone is missing. Someone who understands what’s going on here, without needing many explanations. Someone you can speak German with.

    Future

    During my time at Angels Home, I had already noticed how my interest in medicine kept growing. I often provided first aid and truly felt how much I „enjoy“ this kind of work.

    The turning point came through a simple question from my friend: “Why don’t you study medicine?”

    My answer was clear: “I can’t, because of my high school graduation grade.”

    And he just said: “There must be other ways. Think about it. You would be a good doctor.”

    That thought stayed with me. I started to really think about it, explore possibilities and take it seriously. Latest through my time in the hospital here, it became absolutely clear to me: this is it. I want to study medicine.

    Sometimes plans change faster than expected. I had originally already submitted an application for an extension of my volunteering service until January 2027.

    But now my path has changed. I will return to Germany at the end of July, start my internship on August 1st and begin medical school abroad.

    On one hand, I am incredibly excited for this path. To finally start, to truly understand things, to dive deeper into what fascinates me and to answer every single question.

    On the other hand, I only have three and a half months left here in Tanzania. And that feels incredibly short. Far too short.

    I realise that I am not ready to leave yet. And honestly, I am a bit afraid of going back. Of returning to a life that might not feel the same anymore, while also starting something completely new. Since my flight is booked and everything is becoming more real, this thought has been on my mind more and more.

    But at the same time, I know this: no one can take this year away from me. It was the best decision I could have made. The best year of my life.

    I never thought I could immerse myself so deeply in a completely different culture and feel so at home. I never thought I could fall in love so much with a country and especially with the people here.

    Even though more than half of my time here has already passed, one thing is very clear to me: I will live the coming months just like the past ones.

    With so much of energy, filled with joy, fully present in every moment, taking in as much as possible, exploring, learning and experiencing.

    Because this time is limited. And that is exactly what makes it so incredibly valuable. And that is what I hold on to.

    With love from Tanzania,

    Joana❤️

  • 11. Mein März in Tansania

    11. Mein März in Tansania

    Hallo meine Lieben, ich hoffe, es geht euch gut. Der März ist wie im Flug vergangen und ich kann kaum glauben, dass schon April ist. Es war so viel los, sodass ich nicht dazugekommen bin den Bericht zu schreiben. Aber jetzt!

    Mein Monat hat mit etwas ganz Tollem begonnen, ich habe nämlich im Krankenhaus angefangen zu arbeiten.

    Arbeit im Krankenhaus

    Am Anfang war ich ehrlich gesagt ziemlich überfordert. So viele neue Abläufe, unzählige Eindrücke, neue Namen und Fachbegriffe. Dabei war gar nicht Kiswahili das Problem, sondern vor allem die vielen medizinischen Fachbegriffe auf Englisch, die hier im Alltag verwendet werden. Google und der Übersetzer wurden schnell zu meinen besten Freunden. 😅

    Schon nach dem ersten Tag habe ich gemerkt, wie viel Freude mir die Arbeit macht.

    In nur wenigen Wochen durfte ich schon sehr viel machen. Ich bin bei Visiten im stationären Bereich mitgegangen, habe Vitalwerte gemessen, Diagnosen in der Ambulanz begleitet und die Notaufnahme kennengelernt. Ich habe bei Blutabnahmen und Infusionen assistiert, Patientinnen und Patienten zum Ultraschall und Röntgen begleitet, sie von der Ambulanz auf die Station gebracht und Betten vorbereitet.

    Auch im Hintergrund war ich von Anfang an eingebunden: Ich habe Akten digitalisiert, Medikamentenschränke aufgefüllt, Informationen weitergegeben, Laborproben vorbereitet und transportiert sowie Medikamentenpläne überprüft. So konnte ich die Abläufe im Krankenhausalltag intensiv kennenlernen.

    Besonders prägend waren die Operationen. Ich durfte viele Eingriffe miterleben, zum Beispiel Kaiserschnitte, Blinddarmentfernungen sowie Operationen bei Darmverschluss oder Knochenbrüchen. Auch außergewöhnliche Fälle wie die Entfernung von Fremdkörpern, etwa Stöcken oder Nägeln nach Feldunfällen, habe ich gesehen. Dazu kamen Zystenentfernungen, kleinere Eingriffe und die Wundversorgung. Diese Erfahrungen haben mich tief beeindruckt.

    In kurzer Zeit habe ich ein breites Spektrum an Krankheitsbildern kennengelernt: von Infektionskrankheiten wie Malaria, Typhus, Tetanus, Hepatitis oder HIV über Mangelernährung, Grippe sowie Pilz- und Hautinfektionen bis hin zu akuten Notfällen wie Sepsis, Schlaganfall, Herzinfarkt oder Verbrennungen. Auch chronische und seltenere Erkrankungen wie Gicht, Sichelzellanämie, Brustkrebs oder neurologische Erkrankungen sowie alltägliche Fälle wie Schwangerschaften oder Lungenentzündungen gehören dazu.

    Was mich am meisten bewegt, ist die Art und Weise, wie hier gearbeitet wird, oft unter Bedingungen, die wir uns in Deutschland kaum vorstellen können. Es fehlt an vielem, was für uns selbstverständlich ist. Diagnostische Möglichkeiten und Materialien sind begrenzt, häufig gibt es kein funktionierendes Internet. Entscheidungen müssen daher oft auf Basis weniger Informationen getroffen werden.

    Gerade dabei habe ich vielleicht das Wichtigste gelernt: Medizin bedeutet nicht nur Technik und perfekte Bedingungen, sondern vor allem, mit dem zu arbeiten, was vorhanden ist, genau hinzuschauen, zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen.

    Die Ärzte und das Pflegepersonal leisten hier jeden Tag Unglaubliches, mit großer Fachlichkeit, Kreativität und Menschlichkeit. Ich habe großen Respekt vor ihrer Arbeit und gelernt, wie wichtig es ist, den Menschen hinter der Krankheit zu sehen, zuzuhören, Ruhe auszustrahlen und Vertrauen zu geben.

    Besonders beeindruckt hat mich auch die Zusammenarbeit im Team. Es gibt keine ausgeprägten Hierarchien zwischen Ärzten und Pflegekräften, sondern ein gemeinsames, unterstützendes Arbeiten. Die Atmosphäre ist geprägt von Herzlichkeit, Humor und Respekt. Trotz aller Herausforderungen wird viel gelacht und der oft fordernde Alltag gemeinsam bewältigt.

    Von Anfang an durfte ich Aufgaben übernehmen, aktiv mitarbeiten und jederzeit Fragen stellen. Je länger ich dort bin, desto mehr darf ich selbst ausprobieren, zum Beispiel Anamnesegespräche führen, natürlich immer mit einem Arzt direkt an meiner Seite.

    Das Krankenhaus in Rulenge ist klein und arbeitet mit begrenzten Mitteln, ist aber für die Region erstaunlich gut ausgestattet. Es gibt Operationssäle, Röntgen, Ultraschall, Stationen, eine Notaufnahme und eine gut bestückte Apotheke. Besonders beeindruckend ist, wie sehr sich das Krankenhaus im letzten Jahr entwickelt hat. Früher gab es kaum Räume, Patientinnen und Patienten saßen teilweise auf den Gängen, und es stand nur eine minimale Medikamentenausstattung zur Verfügung. Heute ist alles deutlich besser organisiert, und ich habe das Glück, diese Entwicklung mitzuerleben.

    Schon jetzt möchte ich von Herzen Danke sagen an das gesamte Team, das mich so offen aufgenommen hat, mir jeden Tag so viel beibringt und mich immer wieder zum Lachen bringt.

    Ein ganz besonderer Dank gilt dem Arzt vor Ort, der diese Zeit für mich zu etwas ganz Einzigartigem macht. Er nimmt sich jeden Tag unglaublich viel Zeit für mich, erklärt alles bis ins kleinste Detail und beantwortet geduldig meine unzähligen Fragen, die meistens mit „Wieso?“, „Warum?“ oder „Hä, aber?“ anfangen. Und trotzdem gibt er mir nie das Gefühl, dass es zu viel ist. Im Gegenteil: Er fordert mich immer wieder heraus, selbst mitzudenken, Zusammenhänge zu verstehen und Dinge wirklich zu begreifen.

    Von Anfang an hat er mir vertraut. Ein Vertrauen, das für mich alles bedeutet. Gleichzeitig hat er mich von Beginn an wie eine Kollegin behandelt und mir ziemlich schnell den Namen „Dr. Joana“ gegeben, natürlich mit einem Augenzwinkern. Aber genau das hat mir das Gefühl gegeben, sofort mittendrin zu sein und wirklich dazuzugehören.

    Er hat mir ermöglicht, erste praktische Übungen zu machen, zuerst an ihm selbst und später auch an Patientinnen und Patienten, zum Beispiel Blutabnahmen oder Infusionen. Auch mit dem Stethoskop darf ich regelmäßig arbeiten. Zusätzlich stellt er mir seine eigenen Unterlagen und Bücher zur Verfügung, und wir gehen gemeinsam Themen wie Anatomie und Physiologie durch.

    Oft sitze ich da und kann kaum glauben, wie viel ich gerade lernen darf. Manchmal fühlt es sich an, als wäre ich schon mitten im Medizinstudium. Aber noch viel mehr als das Wissen ist es das Gefühl, dass man mir etwas zutraut, dass ich ernst genommen werde und ich mich wirklich weiterentwickeln kann.

    Durch seine Geduld, sein Vertrauen und seine Herzlichkeit lerne ich nicht nur auswendig, sondern verstehe wirklich, wie alles zusammenhängt. Und genau das macht diese Zeit für mich so besonders.

     

    Leben außerhalb des Krankenhauses

    Aber der Monat bestand natürlich nicht nur aus Arbeit, sondern auch aus vielen weiteren wunderschönen Momenten, vor allem aus ganz viel Zeit mit meinen Freunden. Es ist etwas ganz Besonderes, mit ihnen zusammen zu sein, zu quatschen, zu lachen und herumzualbern. Diese Momente bedeuten mir unglaublich viel.

    Für ein verlängertes Wochenende bin ich nach Kigali gefahren. Der Unterschied zu Tansania war sofort spürbar: saubere Straßen, eine gut ausgebaute Infrastruktur, Helmpflicht auf Motorrädern, mehr Sicherheit im Straßenverkehr, Linienbusse, Blitzer und sogar wieder Rechtsverkehr. Auch das Bildungssystem wirkt strukturierter und frei von Gewalt. Die Stadt selbst hat mich sehr beeindruckt, und der Kurztrip war eine tolle Erfahrung. Die Gastfreundschaft war dabei genauso herzlich wie in Tansania.

    Neben der Arbeit im Krankenhaus gab es viele weitere besondere Momente. Ich habe eine Schwester in ihrem neuen Zuhause in Karagwe besucht und viel Zeit mit den Schwestern in Rulenge verbracht. Auch die Nachmittage und Wochenenden mit den Kindern aus dem Angels Home sind mir sehr wichtig. Ich habe einen wunderschönen, energievollen Palmsonntag erlebt, in meiner Küche weiter experimentiert und viele kleine Alltagsglücksmomente gesammelt. Egal ob im Barikiwa, mit den Seminaristen, bei Freunden zu Hause oder bei Gesprächen auf der Straße, all diese Augenblicke haben diesen Monat für mich so wertvoll gemacht.

     

    Abschied 

    Mitte März musste ich mich leider von meiner Mitfreiwilligen verabschieden. Schon länger ging es ihr gesundheitlich nicht gut, sodass sie nach Deutschland zurückkehren musste. Gemeinsam haben wir noch einen Abschlusstrip nach Bukoba gemacht, der mir sehr gut getan hat und zu einer besonderen Erinnerung geworden ist. Wir haben die Stadt erkundet, am Strand gepicknickt und stundenlang über alles gesprochen, was wir hier erlebt haben. Dieses „Weißt du noch, als…“ zog sich durch die ganze Zeit. Es war ein schöner Abschied voller gemeinsamer Erinnerungen.

    Der Abschied am Flughafen fiel mir schwer. Jemanden gehen zu lassen, mit dem man über Monate so eng zusammengelebt und alles geteilt hat, ist nicht leicht. Vor unserer Zeit hier kannten wir uns kaum, doch in Tansania sind wir zusammengewachsen. Wir haben viel erlebt, unzählige Gespräche geführt, viel gelacht und uns gegenseitig unterstützt. Natürlich gab es auch schwierige Momente und Streit, aber auch das gehört dazu.

    Gedanken & Zukunft

    Nach diesem Abschied hatte ich zunächst großen Respekt davor, allein in diesem großen Haus zu wohnen. Im Alltag fühlt sich dieses Alleinsein aber weniger präsent an, als ich gedacht hätte. Durch die Arbeit im Krankenhaus, die Zeit mit Freunden und meine täglichen Aufgaben bin ich viel beschäftigt. Außerdem bekomme ich oft Besuch oder bin selbst unterwegs, sodass ich nie wirklich allein bin.

    Und trotzdem gibt es diese Momente, in denen jemand fehlt, der alles sofort versteht, ohne viele Erklärungen. Jemand, mit dem man auf Deutsch sprechen und sich auf eine ganz andere Weise austauschen kann.

    Gerade in diesen ruhigeren Momenten habe ich begonnen, mehr über mich selbst und meine Zukunft nachzudenken.

    Schon während meiner Zeit im Angels Home habe ich gemerkt, wie mein Interesse für Medizin immer größer wurde. Dort habe ich oft Erste Hilfe geleistet und gespürt, wie viel Freude mir das bereitet.

    Der entscheidende Impuls kam durch eine einfache Frage eines Freundes: „Warum studierst du eigentlich nicht Medizin?“
    Meine Antwort war klar: „Geht nicht, wegen meines Abischnitts.“
    Doch er meinte nur: „Es gibt bestimmt andere Möglichkeiten. Denk darüber nach, du wärst eine sehr gute Ärztin.“

    Das hat etwas in mir ausgelöst. Ich habe angefangen, mich intensiver damit zu beschäftigen und nach Wegen zu suchen. Spätestens mit meiner Arbeit im Krankenhaus wurde mir klar: Genau das ist es. Ich möchte Medizin studieren.

    Manchmal ändern sich Pläne schneller, als man denkt. Ursprünglich hatte ich meinen Freiwilligendienst schon bis Januar 2027 verlängert. Jetzt sieht mein Weg anders aus. Ich werde Ende Juli nach Deutschland zurückkehren, am 01.08. mein Pflegepraktikum beginnen und anschließend ein Medizinstudium im Ausland starten.

    Einerseits freue ich mich sehr auf diesen neuen Weg, darauf, tiefer einzutauchen und Antworten auf meine vielen Fragen zu finden. Andererseits bleiben mir nur noch dreieinhalb Monate hier in Tansania, und das fühlt sich unglaublich kurz an.

    Ich merke, dass ich noch nicht bereit bin zu gehen. Und ehrlich gesagt habe ich auch Respekt vor dem Zurückkommen, vor dem Einleben in ein altes Leben, das sich vielleicht gar nicht mehr so vertraut anfühlt, und gleichzeitig vor dem Beginn eines ganz neuen Abschnitts.

    Gleichzeitig weiß ich: Dieses Jahr kann mir niemand mehr nehmen. Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so sehr auf eine fremde Kultur einlassen und mich dabei so wohlfühlen würde. Und vor allem hätte ich nie gedacht, dass ich mich so sehr in dieses Land und die Menschen verlieben kann.

    Auch wenn schon mehr als die Hälfte meiner Zeit hier vergangen ist, ist für mich klar: Die kommenden Monate werde ich genauso bewusst leben wie die bisherigen. Mit Energie, Freude und dem Wunsch, jeden Moment mitzunehmen, zu lernen, zu entdecken und zu erleben.

    Denn diese Zeit ist begrenzt. Und genau das macht sie so wertvoll.

    Alles Liebe aus Tansania❤️

    Joana

     

  • 10. Ein halbes Jahr in Tansania

    Hallo meine Lieben, ich hoffe, es geht euch gut. Tut mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, ich hatte viel zu tun. Ich habe gehört, dass der Frühling bei euch langsam kommt und ihr die Sonne genießt. 

    Ich bin mittlerweile in der Regenzeit angekommen. Die warmen Tage genieße ich sehr, aber es regnet fast täglich und dann gehts plötzlich bis auf 18 Grad runter.

    Kaum zu glauben, dass ich schon über sechs Monate in Tansania bin. Die Zeit vergeht unglaublich schnell, und meine Begeisterung ist noch genauso groß wie am ersten Tag. Ich freue mich über Begegnungen, die Menschen, das Essen, die Kinder im Angels Home, jede Sprachbarriere und jeden Moment, der mich staunen oder lachen lässt. Ich gehe fast immer noch jeden Abend mit einem Grinsen ins Bett, und das ist einfach schön.

    Mein Alltag hat eine feste Routine, und doch gibt es fast täglich Augenblicke, die mich innehalten lassen. Ich bin tief in der Kultur angekommen, habe Schönes erlebt, aber auch herausfordernde Situationen kennengelernt. Meine Kiswahili-Kenntnisse haben sich stark verbessert. Ich komme super durch den Alltag, kann auch tiefgründe Gespräche auf Kiswahili führen und merke jedes Mal, wie Sprache Türen öffnet. Auch ich habe mich in diesen sechs Monaten weiterentwickelt, bin über mich hinausgewachsen und habe einen großen Lernprozess durchgemacht. Trotzdem liegen noch einige Monate vor mir, auf die ich mich sehr freue und in denen ich sicherlich noch so viele weitere Dinge lernen werde. Ich bin gespannt, was noch alles passieren wird. Einige Reisen sind noch geplant, ansonsten mache ich es auf die tansanische Art: SPONTAN.

    Wie ihr wisst, war ich im Januar kaum in Rulenge, da Familienbesuch, Safari und Zwischenseminar anstanden. Den Februar habe ich fast komplett hier verbracht, was mir unglaublich gutgetan hat. Nach drei Wochen unterwegs sein bin ich wieder angekommen und habe in diesem Monat viel erlebt und gelernt, diesmal auf eine ganz andere Art als zuvor.

    Arbeit mit der Caritas 

    Der Monat begann für mich mit einem kleinen Wechsel, denn ich habe ein zweiwöchiges Praktikum bei der Caritas gemacht. Dabei durfte ich zwei Teams kennenlernen: das Integrated Rural Family Development Programme, kurz IRFDP, und das Rulenge Community Based Rehabilitation Programme, RCBRP.

    In der ersten Woche mit dem IRFDP-Team sind wir jeden Tag in ein anderes Dorf im Distrikt Rulenge-Ngara gefahren und haben Familien besucht. Das Projekt begleitet 808 Haushalte in 24 Dorfgemeinschaften und unterstützt sie dabei, ihre Lebensbedingungen langfristig zu verbessern, durch bessere Landwirtschaft, ein stabileres Einkommen, mehr Gesundheit, Hygiene und gute Ernährung.

    Jeder Tag begann mit einem zweistündigen Austausch mit der Dorfgemeinschaft. Was läuft schon gut, wo braucht es noch Unterstützung? Danach ging es in Kleingruppen in die Haushalte. Wir haben uns die Felder angeschaut, die Tiere,die Häuser, Hygiene, Ernährung. Alles, was den Alltag der Familien ausmacht. Mithilfe eines Fragebogens haben wir alles dokumentiert. Das ist wichtig, um zu sehen, wo weitere Hilfe gebraucht wird.

    Ein Beispiel: Vor einigen Monaten hat die Caritas einem Haushalt vier Hasen gespendet. Mittlerweile sind es 35, deren Urin als Dünger dient und die Felder besser nutzbar macht. Dadurch konnten die Familien mehr verkaufen, neues Vieh anschaffen und ihr Einkommen verbessern. Außerdem haben sie Samen der Pflanze Colocasia bekommen, deren große weiche Blätter als Ersatz für Toilettenpapier dienen, weil sich viele Haushalte das nicht leisten können. 

    Im Laufe der Woche wurde mir immer klarer, wie hart das Leben hier sein kann. Häuser stehen kurz vor dem Einsturz oder werden bei Regen überflutet. Es gibt kaum Duschmöglichkeiten und kein fließendes Wasser oder Strom. Viele Menschen sind komplett auf ihre Nachbarn angewiesen, die selbst häufig ca. 15 Minuten entfernt wohnen. Die Woche mit dem IRFDP-Team war sehr bereichernd, aber auch erschütternd. Ich finde es sehr wichtig, diesen Teil des Landes kennenzulernen, der sonst oft unsichtbar bleibt.

    In der zweiten Woche habe ich mit dem RCBRP-Team gearbeitet. Dieses Programm unterstützt Menschen mit Behinderungen direkt in ihren Dörfern. Kinder werden gefördert, lernen laufen, bekommen Medikamente und Hilfsmittel wie Krücken oder Rollstühle. Außerdem wird über HIV und andere Krankheiten aufgeklärt. Ziel ist es, Rulenge und die umliegenden Dörfer inklusiver und barrierefreier zu gestalten.

    Ich konnte von Anfang an richtig mitarbeiten: Wir haben Akten ausgewertet, Material organisiert und in den Communities angerufen, um zu klären, wo gerade dringender Bedarf ist. Einige Telefonate durfte ich selbst führen, wobei ich sprachlich teilweise an meine Grenzen kam, weil manche nur Kishubi sprechen, die lokale Sprache, die ich nicht verstehe.

    Besonders berührt hat mich der Besuch im Krankenhaus mit Irene, der Physiotherapeutin. Wir haben Übungen mit Kindern gemacht und einen Mann getroffen, der an Elephantiasis leidet. Seine Füße sind geschwollen, sehr schwer und schmerzhaft, sodass Gehen kaum möglich ist. Konkret bei ihm haben wir dann Physiotherapie gemacht und neue Medikamente mitgebracht. Außerdem hat die Caritas vor ein paar Monaten ein kleines Haus für ihn gebaut, dass er dort schlafen und essen kann, vorher hat er auf der Straße gelebt. Millionen Menschen in Tansania sind von dieser Krankheit betroffen, allerdings ist es kaum möglich diese Krankheit richtig zu heilen.

    Wir haben auch das Waisenhaus Goya Goya besucht, wo ein stark unterernährtes Baby vor einigen Wochen hingebracht wurde und nun glücklicherweise gut versorgt, ist. Eine Rückkehr zur Familie ist momentan allerdings nicht möglich.

    Bei Hausbesuchen wurde mir nochmal bewusst, wie überfordert viele Familien mit einem Kind mit Behinderung sind. Unterstützungsangebote sind oft begrenzt und in der Gesellschaft sind sie immer noch nicht vollständig akzeptiert. Umso berührender war es zu sehen, wie viel schon kleine Momente der Aufmerksamkeit bewirken können. Während das Team die Eltern beriet, habe ich mit einem Jungen mit Downsyndrom gespielt. Auch wenn wir uns kaum verstanden haben, war sofort spürbar, wie sehr er sich über die Aufmerksamkeit gefreut hat.

    Außerdem haben wir Impfstoffe im Krankenhaus abgeholt und direkt zu den Familien gebracht. Besonders eindrücklich war auch der Besuch bei einer großen Familie, in der viele mit gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen haben. Trotz allem wurden wir unglaublich herzlich empfangen, haben zusammen gekocht und Zeit mit den Kindern verbracht.

    Durch die vielen Fahrten habe ich die Umgebung um Rulenge nochmal deutlich besser kennengelernt. Die Landschaft hier ist einfach wunderschön. Dank der Dokumentation der Caritas konnte ich später auch Fotos der Besuche bekommen, ohne während der Hausbesuche mein Handy benutzen zu müssen. Das war mir sehr wichtig, denn ich möchte den Familien mit Respekt begegnen und nicht als erstes mein Handy zücken.

    Was diese zwei Wochen besonders gemacht hat, war die Struktur und Disziplin der Arbeit, und gleichzeitig das große Engagement der Mitarbeitenden. Der Tag begann pünktlich um 7:30 Uhr mit einem Gebet zusammen mit allen Caritas-Mitarbeitenden und endete offiziell um 15:30 Uhr, wieder mit einem Gebet. In der Praxis kamen wir jedoch oft erst gegen 16 oder 17 Uhr aus den Dörfern zurück. Trotz der klaren Tagesstruktur war die Bereitschaft, länger zu bleiben und die Arbeit wirklich zu Ende zu bringen, überall spürbar. Die intensiven Tage und die gute Organisation haben die Arbeit sehr fordernd, aber auch unglaublich lehrreich gemacht. Es war eine ganz andere Art von Arbeit, als alles, was ich bisher erlebt habe.

    Diese zwei Wochen bei der Caritas waren einfach unglaublich. Ich habe erlebt, wie stark, widerstandsfähig und lebensfroh die Menschen hier sind und wie viel wir voneinander lernen können, wenn wir offen und aufmerksam miteinander umgehen. Ich bin dem Team sehr dankbar, dass sie mich überall mitgenommen haben und ich so viel lernen durfte. Ihre Arbeit hier ist unglaublich wichtig und bewirkt so viel für die Familien vor Ort.

     

    Angels Home

    Nach meinem Praktikum bei der Caritas ging es für mich zurück ins Angels Home. Obwohl ich die Kinder während der zwei Wochen fast jeden Tag nach der Arbeit besucht habe, war es schön, wieder richtig bei ihnen zu sein. Mein Arbeitsalltag hat sich inzwischen verändert, da viele Kinder mittlerweile in der Schule und aktuell nur noch acht Kinder hier im Waisenhaus sind. Meine Aufgaben haben sich dadurch deutlich verringert, und durch die Unterstützung der Schwestern und Betreuerinnen werde ich weniger gebraucht als am Anfang.

    Trotzdem habe ich natürlich Beschäftigungen und Aufgaben gesucht, damit der Tag trotzdem toll wird. Gemeinsam haben wir eine Trommel gebaut und die Spielsachen immer weiter ausprobiert. Ich habe immer wieder neue Möglichkeiten getestet und gemerkt, wie schnell die Kinder überfordert, aber gleichzeitig unglaublich dankbar und voller Freude sein können. Ich muss ihnen nur noch beibringen, dass die Bauklötze nicht unbedingt dazu da sind, mir sie ins Gesicht zu schmeißen😂😂. Ansonsten läuft es mit den neuen Sachen überraschend gut. Besonders toll sind auch die bunten Windeln, die den Kindern große Freude machen, wenn sie damit durch den Hof flitzen. Es ist eine große Bereicherung für alle.

     

    Mwanza und Katoke Seminar Trip

    Während des Zwischenseminars im Januar hatte ich die Möglichkeit, andere Freiwillige kennenzulernen. Also besuchte ich Ende Februar Loana und Lennart in Mwanza. Sie wohnen dort und arbeiten in einem Krankenhaus sowie in einer NGO, in die Mütter mit ihren kranken Kindern kommen. Es war spannend, ihr Leben kennenzulernen, das sich in vieler Hinsicht von meinem hier unterscheidet. Der größte Unterschied ist die Umgebung. Während sie nur etwa 20 Minuten in die zweitgrößte Stadt Tansanias brauchen und Zugang zu vielem haben, zum Beispiel europäischem Essen, großen Supermärkten oder bekannten Marken, brauche ich rund acht Stunden bis in eine größere Stadt.

    Auch die Wohnsituation ist anders. Wir leben in einem großen, eher europäisch geprägten Haus, während sie in einem kleinen Haus wohnen, oft ohne Strom und fließendes Wasser, über einer Feuerstelle kochen und mit einem Eimer duschen. Für mich war es unglaublich bereichernd, alles einmal aus nächster Nähe zu sehen. Loana hat mir außerdem viele Ecken der Stadt gezeigt, die man als normaler Tourist wahrscheinlich nie entdecken würde. Wir hatten eine wunderschöne Zeit und einen sehr guten Austausch.

    Auf dem Rückweg nach Rulenge ging es wieder ins Katoke Seminar, das Jungsinternat, diesmal für drei Tage. Ich durfte wieder Englisch unterrichten, die Schüler hatten viele Fragen, und ich konnte tolle Gespräche mit den Lehrern führen, die sehr interessiert an meinem Leben in Deutschland, dem Schulsystem und vielem mehr waren. Die großen Unterschiede sind mir da wieder besonders bewusst geworden.

    Drei Seminaristen aus Rulenge arbeiten jetzt auch dort, und es war schön, sie wiederzusehen und gemeinsam mit ihnen, den anderen Fratelli und Schwestern Zeit zu verbringen. Ich habe am straffen Seminaralltag teilgenommen, mit der Messe morgens um 5:30 Uhr, dem Schultag und dem Abendgebet um 22:30 Uhr. Für mich war das aber auch ein Ort, um zur Ruhe zu kommen und komplett abzuschalten, gerade weil es dort kaum Internet gibt.

    Die Reisen selbst waren natürlich wieder voller Abenteuer, aber auch total lustig. Die Busfahrten sind für sich schon ein Erlebnis, auf dem ich mit vielen großartigen Leuten sprechen und neue Musik entdeckt habe. Auf dem Rückweg vom Katoke Seminar bin ich schließlich mit meiner Freundin Rose, die Busschaffnerin ist, zurückgefahren, was die Fahrt noch lustiger gemacht hat.

     

    Was sonst noch so los war in Rulenge

    Abseits der Arbeit gab es in Rulenge wieder so viele schöne Momente: Abende im Konvent mit den Schwestern, darunter auch die Mother General, gehören immer zu den Highlights. Die Gespräche mit allen sind unglaublich bereichernd und schön.

    Auch das Kochen mit meinen Freundinnen hat sehr viel Spaß gemacht. Wir haben gemeinsam Pilau mit Fleisch zubereitet, zusammen getanzt und einfach die Zeit miteinander genossen. Generell habe ich viel Zeit mit meinen Freunden aus dem Dorf verbracht, sei es einfach treffen, reden, deutsch beibringen oder Nachmittage und Abenden im Barikiwa, wo viele meiner Freundinnen arbeiten. 

    Besonders schön war auch die Zeit mit den Seminaristen. Wir haben gemeinsam kranke im Krankenhaus besucht und mit ihnen gebetet und dann die Kinder im Angels Home besucht. Es macht einfach Freude, gemeinsam unterwegs zu sein und zu sehen, wie wir alle zusammenarbeiten und zusammengehören.

    Außerdem haben wir den Geburtstag meiner Mentorin gemeinsam gefeiert, was ein sehr lustiger Abend war. 

     

    Also wie immer ein total toller Monat und wieder ganz anders als alle vorherigen. Ich kann es nur wiederholen, wie unglaublich glücklich ich hier bin und wie dankbar ich für alle Erfahrungen bin.

    Seit ein paar Tagen arbeite ich jetzt im Krankenhaus, um eine weitere Arbeitsstelle kennenzulernen und ich glaube, das ist bisher der allerbeste Ort, den ich kennenlernen durfte. Es ist ein ganz anderes Lernen, als ich es bisherkannte, meine Mitmenschen sind unglaublich toll, die Arbeit bereichert mich total und es macht mir total viel Spaß. So sehr, dass sie auch meine Studienentscheidungen nach dem WFD weiter in eine andere Richtung lenkt. Aber dazu im nächsten Blog mehr.😉

    Bleibt gesund, passt auf euch auf, genießt das schöne Wetter und fühlt euch alle ganz doll gedrückt.😘

    Liebste Grüße aus dem jetzt gerade warmen Tansania❤️