Ich sitze gerade im Zug nach Budapest und ziehe für mein Medizinstudium um. Das klingt total verrückt und ehrlich gesagt denke ich das auch immer noch. Aber gleichzeitig habe ich mich noch nie so sehr darauf gefreut, zu lernen. Ich will endlich, dass es losgeht.
Trotzdem habe ich mit Tansania noch lange nicht abgeschlossen. Ich glaube, ich habe noch längst nicht alles verarbeitet und vieles davon wahrscheinlich noch nicht einmal richtig verstanden. Also dachte ich mir auf dieser elf Stunden langen Zugfahrt, dass ich die Zeit nutzen könnte, um meinen (vorerst) letzten Blogpost zu schreiben.
Nur kurz war ich in Deutschland: Familie und Freunde treffen, auspacken, waschen, wieder einpacken. Es fühlte sich an wie ein Zwischenstopp zwischen zwei riesigen Dingen. Zwischen einer Erfahrung, die mich tief geprägt und verändert hat, und einer nächsten großen Herausforderung, die meine Zukunft bestimmen und mich in den kommenden Jahren weiter wachsen lassen wird.
Ein Zwischenstopp zwischen drei verschiedenen Leben.
Doch eigentlich soll es in diesem Blogpost um die letzten drei Wochen in Tansania, meine Rückreise und das Ankommen in Deutschland gehen. Deshalb gehe ich erst einmal ein paar Schritte zurück.
Meine letzte Zeit in Tansania
In meinem vorletzten Post habe ich davon geschrieben, wie ich auf Reisen war und was ich dort alles erlebt habe. Und dann habe ich gesagt: Meine letzten drei Wochen in Rulenge haben begonnen. Diese drei Wochen haben sich einerseits unendlich lang angefühlt und andererseits so, als wären sie nie da gewesen.
Mein Mentor hatte ein komplettes Abschiedsprogramm für mich organisiert und ist jeden Tag mit mir in ein anderes Dorf, eine andere Stadt oder eine andere Gemeinde gefahren, damit ich mich von allen verabschieden konnte. Einerseits war das natürlich unglaublich lieb gemeint und ich habe mich auch total darüber gefreut. Andererseits war es auch ziemlich anstrengend. Fast zwei Wochen lang jeden Tag aufs Neue an meinen Abschied denken zu müssen, war nicht leicht. Ich glaube, ihr konntet aus meinem letzten Post schon entnehmen, wie schwer mir das gefallen ist.
Also habe ich einfach versucht, das Beste daraus zu machen und unterwegs zu sein. Ich wollte mich ablenken. Ich wollte nicht jeden Tag daran erinnert werden und schon gar nicht wollte ich mich ständig damit beschäftigen, sondern die Zeit in vollen Zügen genießen.
Ich wurde zu Feiern eingeladen, war bei der 70-jährigen Jubiläumsfeier von Schwester Veronica, die damals den Orden mitgegründet hat und mittlerweile 94 Jahre alt ist. Ich war mit den Schwestern in verschiedenen Dörfern zum Beten. Ich habe unglaublich viel gearbeitet, viel operiert und Patient:innen behandelt. Mit meinen Arbeitskollegen habe ich zwischen Nachtschicht, OP und Morgenschicht die WM auf Krankenbetten geschaut. Ich war mit Kivuko, der Gesundheits-NGO, unterwegs, bin jeden Tag zur Messe gegangen und habe meinen Alltag noch bewusster gelebt als ohnehin schon.












Ich bin wandern gegangen, habe alle möglichen Menschen und Freund:innen besucht, war im Barikiwa essen und habe gelernt, noch mehr tansanisches Essen zu kochen. Ich habe ganz viel Zeit im Angels Home verbracht und wunderschöne Momente und Abende mit den Seminaristen erlebt.





Und trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht und ich gar nicht mehr hinterherkomme. Ich schlief kaum noch durch, ich war so traurig, hatte ständig etwas zu tun und kam nie wirklich zur Ruhe. Irgendwann wollte ich einfach, dass dieses ganze Abschiednehmen endlich vorbei ist. Ganz oder gar nicht.
Vielleicht klingt es widersprüchlich, dass ich in diesen letzten Wochen jeden Moment ganz bewusst genießen wollte und gleichzeitig überhaupt nicht zur Ruhe kam. Aber genau so fühlte es sich an. Ich wusste, dass aus Alltag bald Erinnerung werden würde, und wollte deshalb nichts verpassen. Plötzlich waren selbst die ganz normalen Dinge besonders, einfach weil ich wusste, dass ich sie bald vermissen würde.
Und dann kam das Packen. In diesem Moment dachte ich nur: „Scheiße, jetzt ist es wirklich vorbei und ich kann nichts dagegen tun.“
Natürlich freute ich mich darauf, meine Familie wiederzusehen und endlich mit meinem Studium anzufangen. Aber gleichzeitig musste ich diesen wunderschönen Ort zurücklassen, der mich so sehr verändert hatte. Und plötzlich war da diese Angst vor dem Danach. Wie sollte ich das alles verarbeiten? Wie sollte ich hier wieder ankommen? Und hätte ich vielleicht doch einfach bleiben sollen?
Ich fuhr noch einmal für wenige Tage zu meinem Freund. Vorher packte ich alles zusammen, damit ich, wenn ich zurückkam, wirklich nur noch ans Verabschieden denken konnte. Der Abschied von Livinus war unglaublich schwer, vor allem, weil ich natürlich nicht wusste, wann ich ihn wiedersehen würde.

Die letzten drei Tage in Rulenge waren dann wirklich die allerschlimmsten. Ich wollte noch einmal all das tun und all die Menschen sehen, die zu meinem Alltag in Rulenge gehört hatten. Ich wollte noch einmal auf den Markt, zur Messe, zu meinen Freunden, zu den Schwestern, zu meiner Familie, zu den Kindern im Angels Home, ins Krankenhaus, zu den Seminaristen und zu den Priestern. Ich wollte diese letzten Tage einfach noch einmal ganz bewusst genießen und möglichst viel Zeit mit all dem verbringen, was mir in Rulenge so wichtig geworden war.


















Dadurch waren meine Tage so voll, dass kaum Zeit zum Nachdenken blieb. Und trotzdem konnte ich nachts kaum noch schlafen. Denn plötzlich bekam alles eine ganz andere Bedeutung: Hinter jedem Besuch, jedem Ort und jedem vertrauten Alltag steckte nun der Gedanke, dass es ein letztes Mal sein könnte. Was vorher ganz selbstverständlich zu meinem Leben in Rulenge gehört hatte, wurde dadurch plötzlich zu etwas Besonderem, gerade weil ich wusste, dass ich es bald zurücklassen würde.








Am Mittwoch gab es dann eine Abschiedsparty, die meine Mentoren für mich organisiert hatten. Father Denis lud über 100 Menschen ein und 85 kamen tatsächlich. Es war ein unglaublich schönes Fest, geprägt von Essen, Reden, Dankbarkeit und Wertschätzung.
Ich habe es in vollen Zügen genossen und musste gleichzeitig so oft weinen. Denn diese Menschen dort sind einfach so besonders für mich geworden. In so kurzer Zeit sind sie ein Teil meines Lebens und irgendwie auch ein Teil von mir geworden. Und dann zu wissen, dass ich sie zurücklassen muss, war unglaublich schwer.
Ich glaube, an diesem Abend wurde mir noch einmal besonders bewusst, wie viele Menschen mir Rulenge geschenkt hat. Wie viele Beziehungen entstanden sind, wie viel Vertrauen, Nähe und Liebe ich erfahren durfte und wie schwer es ist, etwas loszulassen, das einem so viel bedeutet.




























Die Rückreise
Am Donnerstagmorgen ging es dann gemeinsam mit Sister Dativa los nach Lusahunga. Dort besuchten wir ihre Familie und ein paar Stunden später holte mich Father Denis mit dem Auto voller Gepäck ab. Wir fuhren zunächst in die Gemeinde nach Biharamulo, um uns dort zu verabschieden, und anschließend zum Mittagessen ins Katoke Seminar.
Auch das war ein unglaublich schwerer Abschied. Von den Schwestern, den Priestern und den Schülern, die mir in diesem Jahr so sehr ans Herz gewachsen waren. Es fühlte sich jedes Mal ein bisschen mehr danach an, als würde ich ein Stück meines Lebens zurücklassen.
Danach ging es weiter nach Katoro zu einer Freundin und einem Seminaristen, anschließend in die Gemeinde in Geita und schließlich kamen wir spät abends in Mwanza an.












Dort bemerkten wir dann, dass eine meiner Taschen in Rulenge vergessen worden war. Da ich früh morgens mit Sister Dativa losgefahren war, hatte ich nicht mehr überprüft, ob wirklich alles ins Auto gekommen war. Und natürlich war genau in dieser Tasche alles, was ich für den Flug brauchte, inklusive meiner Kleidung.
Also ging es für Father Denis und mich kurzerhand noch einmal zum Shoppen. Ich musste mir eine Hose kaufen, weil ich zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nur ein Kleid anhatte.
Den Abend ließen wir dann noch gemeinsam beim Abendessen und Bierchen ausklingen. Wir sprachen über alles Mögliche, was in diesem Jahr passiert war, und ließen die vielen Erlebnisse noch einmal Revue passieren. Es war ein wunderschöner Abend.
Am nächsten Morgen ging es für Father Denis und mich dann zum Flughafen. Er begleitete mich noch bis Dar es Salaam. Die ganze Zeit über sprachen wir über mein Jahr in Tansania. Ich gab ihm Rückmeldung und er mir genauso. Wir sprachen über die schönen Momente, die schwierigen Situationen, darüber, was ich gelernt hatte, was ich vielleicht anders hätte machen können, was er für die neuen Freiwlligen beachten soll und besser machen kann. Dieses Gespräch war unglaublich wertvoll für mich und ich bin sehr dankbar, dass wir diese Zeit noch gemeinsam hatten.
In Dar es Salaam kam dann einer der schwersten Abschiede.
Father Denis hat dieses Jahr so besonders für mich gemacht. Er war immer für mich da, egal, was war. Ich konnte mich jederzeit an ihn wenden, wir hatten so viele schöne Momente und so unglaublich viel Spaß zusammen. Er hat mich überall vorgestellt, mich überall hingebracht und mir so viele Türen geöffnet.
Aber er war so viel mehr als nur mein Mentor. Er war meine Ansprechperson, der Priester, dem ich alles anvertrauen konnte, ein Freund und manchmal sogar ein bisschen wie mein eigener Vater. Diese Beziehung war etwas ganz Besonderes für mich und ich bin ihm dafür unglaublich dankbar. Ich weiß nicht, wie dieses Jahr ohne ihn gewesen wäre.



Und auch wenn es keinen anderen Ausweg gab, als irgendwann in dieses Flugzeug zu steigen, wäre ich am liebsten aus diesem Flughafen wieder rausgerannt.
Es war ein so schlimmes Gefühl, als würde mir jemand mein Herz aus der Brust reißen. Ich wusste, dass ich gehen musste. Ich wusste, dass mein Leben in Deutschland/Ungarn weitergehen würde. Ich wusste, dass all die Dinge, auf die ich mich eigentlich freute, auf mich warteten. Aber in diesem Moment wollte ich davon nichts wissen. Ich wollte einfach nur bleiben.
Zurück in Deuschland
Der Flug verlief gut und zügig und plötzlich war ich auch schon wieder in Frankfurt. Am Flughafen stand meine Familie und das Gefühl, sie wiederzusehen, war einerseits wunderschön und andererseits so seltsam. So vertraut und gleichzeitig irgendwie fremd. Ich war wieder zu Hause und trotzdem fühlte es sich nicht ganz so an, als wäre ich wirklich angekommen. Die ganze Zeit fühlte ich mich wie ein Gast.

























Es gab so viele erste Male, als ich wieder in Deutschland war. Die erste Autobahn, der erste Polizist, der erste Supermarktbesuch, das erste Mal wieder Wasser aus dem Wasserhahn trinken. Und das Krasseste von allem: die saubere Luft.
Es ist gerade ehrlich gesagt gar nicht so leicht, in Worte zu fassen, was danach passiert ist, weil es einfach so viel war.
Das Ankommen ist mir am Anfang sogar relativ leicht gefallen. In stillen Momenten kam die Traurigkeit immer wieder über mich, aber ansonsten lief es erstaunlich gut. Ich war irgendwie in einer kleinen Honeymoon-Phase. Alles war aufregend. Alles war neu, obwohl ich eigentlich wieder an einem Ort war, den ich kannte.
Und dann kam in der zweiten Woche das große Tief.
Ich musste unglaublich oft weinen und mir ging es mit der ganzen Situation überhaupt nicht so gut, wie ich es mir selbst eingeredet hatte. Ich glaube, ich hatte versucht, stark zu sein. Mir selbst zu sagen, dass alles gut ist, dass ich ja wieder zu Hause bin und dass ich mich doch eigentlich freuen müsste.
Aber Gefühle funktionieren eben nicht nach Logik.
Und das Schwierigste daran war, dass mich einfach niemand so richtig verstanden hat. Damit möchte ich wirklich niemandem einen Vorwurf machen. Meine Familie war für mich da und sie haben vieles verstanden. Aber es gibt einen Unterschied zwischen jemandem, der zuhört und versucht zu verstehen, und jemandem, der genau weiß, wie es sich anfühlt.
An einem Abend haben wir Freunde eingeladen, die selbst längere Zeit in Tansania gelebt hatten. Und ich glaube, an diesem Abend habe ich mich zum ersten Mal wirklich verstanden gefühlt. Ich musste nicht erklären, warum mich bestimmte Dinge so sehr beschäftigen. Ich musste nicht erzählen, warum ich plötzlich weinen musste oder warum sich manche ganz alltäglichen Dinge in Deutschland so seltsam angefühlt haben. Sie wussten es einfach.
Diese große Anonymität in Deutschland hat mir ziemlich zu schaffen gemacht. In Tansania kannte ich ständig irgendjemanden. Menschen haben mich gegrüßt, angesprochen, nach mir gefragt. Ich war Teil einer Gemeinschaft. Und plötzlich war ich wieder in Deutschland und konnte durch eine volle Straße laufen, ohne dass irgendjemand wusste, wer ich bin. Keiner grüßte sich, alle liefne mit Kopfhörern durch die Gegend. Alle liefen schnell und alles war busy und hektisch. Pole Pole (langsam langsam) war plötzlich weg.
Das Eingewöhnen hat deshalb doch deutlich länger gedauert, als ich anfangs gedacht hatte.
Ich war dann noch auf dem Länderseminar in Bamberg und habe dort die drei neuen Freiwilligen auf Rulenge bzw. Tansania vorbereitet. Das war unglaublich schön. Ihnen von meinen Erfahrungen zu erzählen, Fragen zu beantworten und irgendwie das weiterzugeben, was ich in diesem Jahr gelernt hatte, hat mir selbst noch einmal gezeigt, wie viel eigentlich passiert ist.
In einem Reflexionsgespräch mit meiner deutschen Ansprechpartnerin konnte ich außerdem noch einmal unglaublich viel aufarbeiten. Das hat mir sehr gutgetan. Es war ein bisschen so, als hätte ich endlich einmal innehalten und all die Gedanken und Gefühle sortieren können, für die vorher einfach kein Platz gewesen war.




Wie es weiterging und meine Gedanken
Und dann hieß es schon wieder: Koffer packen und ab nach Budapest.




Und hier sitze ich nun. In meinem mittlerweile eingerichteten Zimmer und lerne schon ungarisch und gehe die Naturwissenschaften durch. Nächste Woche geht die Voruni los, danach kommt das Ersticamp und dann beginnen auch schon die Vorlesungen.















Ich bin total aufgeregt und merke gleichzeitig auch hier schon, dass es wieder Herausforderungen gibt. Meine beiden Mitbewohner sind noch im Urlaub, die Stadt ist riesig; manchmal ziemlich überfordernd und mit Englisch komme ich nicht weit. Ungarisch verstehe ich bisher wirklich kein einziges Wort.
Ich glaube, auch hier brauche ich einfach Zeit, um richtig anzukommen.
Und trotzdem ist es ein ziemlich seltsames Gefühl. In Deutschland war ich noch nicht einmal zu hundert Prozent angekommen, da war ich schon wieder weg. Und jetzt bin ich hier und muss schon wieder irgendwo neu anfangen.
Trotzdem bin ich unglaublich froh, ausgezogen zu sein. In Deutschland hatte ich plötzlich so viel Zeit und gleichzeitig das Gefühl, nichts zu tun zu haben. Hier muss ich wieder aufstehen, mich zurechtfinden, lernen, organisieren und mich neuen Herausforderungen stellen. Und genau das habe ich irgendwie gebraucht.
Wenn ich gerade darüber nachdenke, wo ich in meinem Leben eigentlich stehe, ist das wirklich schwer in Worte zu fassen. Irgendwo zwischen Abschiedsschmerz und Trauer, zwischen Freude darüber, meine Familie und Freunde wiederzusehen, zwischen Re-Cultural-Shock in Deutschland und dem Beginn eines komplett neuen Lebensabschnitts, zwischen Vorfreude und Überforderung.
Ein bisschen viel für drei Wochen.
Danksagungen
Ich möchte diesen Blogpost auch noch einmal nutzen, um etwas aus meinem letzten Post aufzugreifen.
Ich habe diesen Eintrag in einer Phase meines Lebens geschrieben, in der ich dachte, danach würde alles zusammenbrechen. Ich hatte so einen großen Abschiedsschmerz, dass ich einfach nur noch aufgeschrieben habe, was ich gefühlt habe, ohne viel darüber nachzudenken.
Und dabei habe ich einen riesigen Punkt komplett vergessen.
Ich habe geschrieben, dass ich in diesem Jahr zu hundert Prozent ich selbst sein durfte und Seiten an mir ausleben konnte, die ich vorher vielleicht nie so ausleben konnte. Dass ich mich selbst gefunden habe und dass die Menschen vor Ort alles für mich getan haben.
Und ja, das stimmt. Zu hundert Prozent.
Aber es fehlt etwas.
Meine Familie.
Nicht die Familien, die ich in Tansania kennenlernen durfte, sondern meine Familie, die mich großgezogen hat, die mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin, die mich immer unterstützt hat und besonders in diesem Jahr so viel für mich getan hat.
Sie haben mich durch alle meine Lebensphasen getragen. Sie waren immer an meiner Seite. Egal, was war.
Ohne meine Eltern und meine Geschwister hätte ich diesen Schritt ins Ausland niemals gehen können. Vielleicht hätte ich gar nicht gewusst, dass so etwas überhaupt möglich ist, und ganz sicher hätte ich dieses Jahr nicht so erleben und meistern können.
Dass ich nach Tansania gehen konnte, dass ich dort wachsen durfte, dass ich mich weiterentwickeln und so viele neue Seiten an mir entdecken konnte, verdanke ich auch ihnen. Weil sie mir so viel mitgegeben haben.
Und ja, natürlich gab es Dinge, die ich zu Hause in Deutschland nicht machen konnte oder bei denen ich mich eingeschränkt gefühlt habe. Aber das ist auch vollkommen normal, wenn man mit seiner Familie zusammenlebt. In Tansania habe ich alleine gewohnt. Ich hatte mein eigenes Leben, meine eigenen Entscheidungen und meinen eigenen Alltag.
Das bedeutet aber nicht, dass meine Familie mich davon abgehalten hat, ich selbst zu sein.
Im Gegenteil. Sie haben mir überhaupt erst die Sicherheit gegeben, mich auf die Suche nach mir selbst zu machen.
Und deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einmal einen Dank aussprechen: Danke an weltwärts und Bamberg für diese großartige Möglichkeit. Danke an all meine Mitfreiwilligen aus den Seminaren, die mich durch dieses Jahr begleitet und getragen haben. Danke an all die Menschen, die ich in Tansania kennenlernen durfte, an die Schwestern, Priester, Arbeitskollegen, Kinder aus dem Angels Home, Seminaristen, Frauen und Männer auf dem Markt und in der Messe, Freunde und natürlich meine tansanische Familie. Danke an Livinus, der mich dazu gebracht hat, Medizin studieren zu gehen. Und danke an meine großartigen Mentoren, die mich durch dieses Jahr getragen, unterstützt und immer wieder aufgefangen haben.
Und der größte Dank gilt meiner Familie.
Meinem Papa, meiner Mama, meiner Schwester und meinem Bruder.
Danke, dass ihr mich immer getragen habt. Danke, dass ihr mir vertraut habt. Danke, dass ihr mich gehen lassen habt, obwohl das sicher nicht immer leicht war. Und danke, dass ich immer wieder zu euch zurückkommen konnte.❤️

Mich haben viele von euch gefragt, ob ich mit dem Blogschreiben weitermachen kann. Und manchmal denke ich mir: Warum eigentlich nicht?
Natürlich nicht mehr so regelmäßig, dafür werde ich im Studium wahrscheinlich nicht mehr die Zeit haben. Aber vielleicht schreibe ich ab und zu noch einmal etwas. Vielleicht über Budapest, vielleicht über das Medizinstudium, vielleicht einfach über das, was gerade in meinem Leben passiert. Und spätestens, wenn es für mich wieder zurück nach Tansania geht, nehme ich euch wieder ganz nah mit.
Bis dahin bleibt gesund und passt auf euch auf. Und vielen Dank auch an euch, dass ihr meine Blogs immer gelesen, fleißig kommentiert und mir Feedback gegeben habt. Das hat mich jedes Mal sehr gefreut und mich immer wieder darin bestärkt, weiterzuschreiben.
Alles Liebe.❤️
Joana (Johanna)


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