6. Deutschland vs. Tansania Teil 2

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe es geht euch allen gut.

Wie versprochen gibt es den zweiten Teil über die größten Unterschiede, die mir hier in Tansania bisher aufgefallen sind. Dinge, die ich mitbekomme, erlebe und sehe, und die im Vergleich zu Deutschland einfach ganz anders sind. Auch diesmal gilt natürlich wieder, dass alles, was ich im Folgenden schreibe, auf meinen persönlichen Eindrücken, Erfahrungen basiert, sowie aus Gesprächen mit locals. Vieles trifft sicherlich nicht auf ganz Tansania zu, sondern vor allem auf meine Region. Und genauso beziehen sich meine Gedanken zu Deutschland nur auf das, was ich selbst kenne und bisher erlebt habe.

Und bald wird es dann wieder einen „typischen“ Blog Eintrag geben, mit ganz vielen Bildern und Geschichten aus meinem Alltag.

1.Mein Haus = Dein Haus

Bisher habe ich noch nirgendwo Türklingeln entdeckt. Wenn man jemanden besuchen will, ruft man manchmal vorher an, aber meistens klopft man nur kurz an, sagt „hodi hodi“ und geht dann einfach rein. Das hat mich am Anfang echt Überwindung gekostet, weil dieses spontane Betreten von Häusern in Deutschland völlig unvorstellbar ist. Noch überraschender ist es, wenn man selbst entspannt auf dem Sofa liegt und plötzlich jemand in deiner Küche steht.

Hier gehört das einfach so zum Alltag dazu und schafft ein besonderes Gefühl von Nähe und Vertrauen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und freue mich über jeden Besuch, egal ob angekündigt oder nicht.

2. Zeit

In Tansania beginnt die Woche offiziell mit dem Samstag. Im Kiswahili heißt der Samstag „Jumamosi“, also „erster Tag der Woche.“ Damit startet die Woche mit dem Wochenende. Es kommt aber immer darauf an, mit wem man spricht. Für viele Menschen, die arbeiten gehen, beginnt die Woche trotzdem am Montag.

Diese Zählweise kommt vom arabischen Einfluss auf Sprache und Kultur. „Juma“ bedeutet Woche und bezieht sich auf den Freitag, der eine besondere Rolle spielt. Von dort aus werden die Tage einfach weitergezählt.

Auch die Zeitangabe ist im Kiswahili anders. Es gibt die sogenannte Swahili-Zeit. Sie funktioniert mit einem 12-Stunden-System und liegt immer sechs Stunden hinter unserer Zeit. Das bedeutet zum Beispiel, dass 7 Uhr morgens nach unserer Zeit hier 1 Uhr morgens ist.

Das kann manchmal ziemlich verwirrend sein. Oft ist nicht ganz klar, ob gerade die englische Zeit oder die Swahili-Zeit gemeint ist. Besonders dann, wenn jemand „am“ oder „pm“ sagt, aber eigentlich die Swahili-Zeit benutzt. Manche Menschen wissen auch gar nicht, dass es diesen Unterschied von sechs Stunden gibt, obwohl die Uhren nach der englischen Zeit eingestellt sind.

Der Grund dafür ist ganz einfach: Der Tagesablauf richtet sich hier nach dem Sonnenaufgang und dem Sonnenuntergang. Da es in der Nähe des Äquators fast immer gegen sechs Uhr hell wird, beginnt der Tag in der Swahili-Zeit einfach um diese Uhrzeit.

3. Gesundheits- und Sozialsystem

Das Gesundheits- und Sozialsystem in Tansania unterscheidet sich in einigen Punkten von dem, was wir aus Deutschland kennen. Eine Krankenversicherung gibt es grundsätzlich für alle. Entweder wird der Beitrag direkt vom Gehalt abgezogen oder man schließt eine private Krankenversicherung ab, die meist einmal im Jahr bezahlt wird. Trotzdem gibt es viele Menschen, die sich diese Versicherung nicht leisten können und medizinische Behandlungen deshalb selbst bezahlen müssen. Das kann schnell teuer werden und stellt für viele eine große Herausforderung dar.

Als Alternative gibt es staatliche Krankenhäuser und Gesundheitszentren, in denen Behandlungen kostenlos oder sehr günstig angeboten werden. Die medizinische Versorgung ist dort meist einfacher als in privaten Kliniken und vor allem in ländlichen und ärmeren Regionen nicht immer flächendeckend verfügbar. Gleichzeitig arbeitet die Regierung daran, das staatliche Krankenversicherungssystem weiter auszubauen. Ziel ist es, langfristig allen Menschen eine Krankenversicherung zu ermöglichen.

Auch im Bereich Rente und soziale Absicherung gibt es staatliche Systeme. Für Angestellte existieren Rentenkassen, in die während des Arbeitslebens eingezahlt wird. Bei Arbeitsunfällen oder dem Verlust des Arbeitsplatzes kann unter bestimmten Voraussetzungen Unterstützung aus dem Workers Compensation Fund erfolgen.

Das Notrufsystem ist ganz anders als in Deutschland. Es gibt zwar eine Notrufnummer, aber sie funktioniert nicht zuverlässig. Neulich habe ich mit einem Freund versucht, diese Nummer anzurufen, sie war jedoch nicht erreichbar. In ländlichen Regionen klappt das noch seltener als in größeren Städten. Das bedeutet auch, dass man bei einem Unfall auf dem Land stark auf sich selbst und auf seine Angehörigen angewiesen ist. Im Notfall kann man nur hoffen, dass Hilfe aus der Familie oder der direkten Umgebung nicht weit entfernt ist.

4. Trinkwasser

In Deutschland kommt jederzeit sauberes, leckeres Trinkwasser aus dem Hahn, auch etwas, das mir hier erst richtig bewusst geworden ist. In Tansania kann man Leitungswasser nicht einfach trinken. Für alles, sogar fürs Zähneputzen oder Gemüsewaschen, benutze ich gekauftes oder abgekochtes Wasser. Selbst beim Reis kochen sind wir manchmal vorsichtig und greifen lieber zu Trinkwasser, weil über Leitungswasser trotz Kochen Tropenkrankheiten und Infektionen übertragen werden können. Das macht vieles aufwendiger und zeigt mir erneut, wie privilegiert wir Zuhause mit Wasser versorgt sind. Nach einigen Regentagen, können dann auch mal die Wasserleitungen verstopft sein, sodass dann aus dem Wasserhahn dreckiges Wasser rauskommt.

5. Frauenbild

Mir ist hier in Tansania besonders aufgefallen, wie stark traditionelle Rollenbilder noch leben. Eine Frau steht in der Gesellschaft immer unter einem Mann und muss ihm jederzeit Respekt erweisen. Beziehungen dürfen zwar öffentlich ausgelebt werden, aber eigentlich nur, wenn klar ist, dass die Hochzeit bald stattfindet. Ein Mann darf mehrere Frauen gleichzeitig haben, denn hier heißt es: ein Mann kann mehrere Frauen gleichzeitig schwängern, eine Frau kann jedoch nur von einem Mann schwanger sein.

Auch Kleidung spielt eine große Rolle: Frauen tragen selten Hosen und müssen sich immer bedeckt anziehen. Dazu kommt, dass sie den Haushalt schmeißen, Kinder versorgen und arbeiten, quasi Familienbeschützerin, Alltagsmanagerin und Arbeitnehmerin in einem. Vor der Hochzeit muss ein Mann einer Frau zudem Geld bezahlen, in manchen Regionen noch Kühe oder Ziegen dazu, abhängig davon, was die Familie der Frau möchte.

Im Vergleich dazu wirkt Deutschland wie eine andere Welt: Gleichberechtigung wird gesetzlich unterstützt, Frauen entscheiden selbst über Beziehungen, Kleidung und Berufsleben. Natürlich ist auch bei uns nicht alles perfekt, aber die Unterschiede sind mir hier sehr deutlich geworden.

6. Bezahlung

Was mir hier sofort aufgefallen ist: Digitalisierung spielt beim Bezahlen praktisch keine Rolle. Fast alles läuft noch mit Bargeld. Es gibt zwar M-Pesa, ein System, bei dem man Geld über die Telefonnummer an Personen schicken kann, aber um es zu nutzen, muss man zuerst Bargeld an einem Stand auf sein Handy laden. Kartenzahlung findet man nur selten, und dann meistens nur in großen Städten, und selbst dort vor allem in europäischen oder touristischen Vierteln. Im Vergleich zu Deutschland, wo fast überall kontaktlos gezahlt werden kann, fühlt sich das hier richtig „analog“ an, und man merkt sofort, wie stark Bargeld den Alltag bestimmt.

Hinzu kommt, dass die Währung hier ganz anders ist als in Deutschland. Der größte Schein, 10.000 tansanische Schillings entsprechen gerade einmal etwas über 2,5 Euro. Die kleinste Münze ist 200 Schilling, was man in Euro oder Cent nicht ausdrücken kann. Wenn man zur Bank geht, kann man maximal 400.000 TZS auf einmal abheben, also etwa 140 Euro. Das reicht zwar für lange Zeit, trotzdem läuft man ständig mit einem Stapel Geld herum, was sich echt seltsam anfühlt. Als ich einmal im Krankenhaus eine Rechnung von zwei Millionen Schilling bezahlen musste, musste ich gleich fünfmal zur Bank und mehrere Banken nutzen, sonst hätte ich gar nicht genug Bargeld bekommen.

Aber die Scheine sehen hier unglaublich schön aus.

7. Klima

Das Klima hier in Tansania ist total anders als in Deutschland. In meiner Region rund um Rulenge, Ngara im Kagera-Distrikt merkt man die Jahreszeiten vor allem an Regen- und Trockenzeit. Gerade sind wir in der kleinen Regenzeit, und es regnet tatsächlich fast jeden Tag 1–3 Stunden richtig heftig, ein Wolkenbruch, den wir aus Deutschland kaum kennen. Davor und danach scheint die Sonne wieder verlässlich, als wäre nichts gewesen. Der Regen kommt einfach, manchmal echt in den ungünstigen Momenten, und angekündigt wird er nicht. Tagsüber liegt die Temperatur zurzeit bei 25-30Grad, manchmal ist es sehr schwül, drückend oder heiß, nachts kühlt es aber deutlich ab. Wenn es länger regnet, kann es sogar richtig kalt werden. (Kühle 12 Grad, haha.) Trotzdem sieht man eigentlich jeden Tag die Sonne.

Ganz anders ist es in Dar es Salaam an der Küste: Dort hat man praktisch das ganze Jahr über Temperaturen um die 30 Grad, Regen fällt unregelmäßig, und die Luft ist oft feucht und tropisch warm.

Ich bin wirklich froh, dass ich gerade im Dezember, um Weihnachten, keine Winterjacke, Schal, Mütze und Handschuhe brauche, sondern einfach im T-Shirt und Rock draußen rumlaufen kann. Großes Beileid an euch alle, wenn ich den Wetterbericht in Deutschland manchmal anschaue und -4 Grad sehen.

8. Glaube

Der Glaube spielt hier in Tansania eine viel größere Rolle im Alltag als in Deutschland. Er wird komplett in der Gemeinschaft gelebt. Es besteht aus gemeinsamen Beten, Kirchenbesuchen, religiösen Festen und Ritualen. Mir ist aufgefallen, dass die Gewohnheiten hier manchmal aber anders sind, als ich es aus Deutschland kenne. Viele beten für wirklich alles, vor dem Essen, vor der Schule, vor jeder Autofahrt und gehen regelmäßig in die Messe, empfangen dann aber keine Eucharistie. Für mich wirkt das etwas ungewöhnlich.

Ein Satz, den ich hier besonders oft gehört habe, lautet „You have my prayers“. Im Deutschen würden wir so etwas eher mit „Ich denke an dich“ oder „Ich glaube an dich“ ausdrücken. Trotzdem ist es beeindruckend zu sehen, wie sehr Glaube hier den Alltag prägt und wie stark er Menschen miteinander verbindet.

Die Kirche in Rulenge

So und damit beende ich vorerst auch wieder die Deutschland vs. Tansania Reihe. Es gibt wirklich sehr viele Unterschiede, aber gerade das macht es ja so spannend.

Passt weiterhin gut auf euch auf. Der nächste Blogeintrag kommt dann erst wieder im neuen Jahr. 😍

Deshalb sage ich jetzt schon mal: Heri ya Krismasi na mwaka mpya wenye furaha! = Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Lasst es euch gutgehen und genießt die freien Tage.

Fühlt euch gedrückt, alles Liebe zu euch ❤️
Eure Joana (mein neuer Name, seitdem ich hier bin😉)

Kommentare

7 Antworten zu „6. Deutschland vs. Tansania Teil 2“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Liebe Joana,

    Wirklich spannend, wie du die Unterschiede beschreibst. Ich bewundere Dich, weil Du so gut damit umgehen kannst.

    Die schöne Weihnachtstage, einen guten Rutsch ins Neue jahr und weiterhin so viel Freude.

    Deine Marion

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    1. Avatar von jzoellerka
      jzoellerka

      Vielen vielen Dank für deine Worte. Gesegnete Weihnachten und eine erholsame Zeit❤️

      Liebe Grüße

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  2. Avatar von loudlychief2c32b18620
    loudlychief2c32b18620

    Liebe Joana,

    Dankeschön für die Fortsetzung der Gegenüberstellung. Das ist wirklich eine andere Welt, in der du gerade lebst. Und obwohl sie da und dort gewöhnungsbedürftig ist, wirst du sie bei deiner Rückkehr bestimmt sehr vermissen. Da leben wir hier in Deutschland oft wie die Made im Speck und haben trotzdem immer was zu bemeckern.

    Ich wünsche dir wunderschöne lebendige Weihnachten in der Sonne und

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    1. Avatar von jzoellerka
      jzoellerka

      Vielen herzlichen Dank! Das ist super lieb von dir😍

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  3. Avatar von loudlychief2c32b18620
    loudlychief2c32b18620

    ….wünsche dir weiterhin viel Freude und Kraft im neuen Jahr. Und der Segen des Herrn sei dir immer zugewandt…..

    Herzlichst 🌺 Roswitha

    ( Fortsetzung, meines Kommentars 😎)

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  4. Avatar von
    Anonymous

    Liebe Johanna,

    jetzt hab ich mich aber sehr auf den zweiten Teil dieser Gegenüberstellung gefreut. Ich musste ein paarmal herzlich lachen und das liegt vor allem daran, weil ich merke, dass du die Herausforderungen dieses ganz anderen Lebens so wundervoll mit Humor nehmen kannst. Gleichzeitig bist du so offen und schreibst auch, dass manches anstrengend ist oder auch sehr fordernd. trotz aller Unterschiede oder vielleicht sogar deswegen? Scheinst du dich richtig gut eingelebt zu haben und profitierst von all diesen neuen Eindruck und ich glaube vor allem von der großen Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen dort. Ich würde mir hier auch etwas mehr Zusammengehörigkeitsgefühl wünschen. Etwas mehr Gemeinsamkeit und wenn es gemeinsam singen im Bus ist. Bin gespannt, was du weiterhin erzählst. Liebe Grüße und alles Gute.

    Grüße aus München

    Filiz

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    1. Avatar von jzoellerka
      jzoellerka

      danke danke danke! das bedeutet mir total viel!
      ja mit Humor geht einfach alles deutlich leichter und das Leben ist eindeutig schöner😅

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