8. Mein Januar in Tansania

Hallo ihr Lieben,

Im letzten Blogpost habe ich schon angekündigt, dass bald der ausführliche Bericht über meinen Januar kommt. Und ehrlich gesagt hätte dieses Jahr kaum besser starten können. Wowwww. Was für ein unglaublicher Monat. Diesmal wird es viele Bilder geben, damit ihr hautnah miterleben könnt, wie besonders diese Zeit war.😍

Die ersten Tage begannen schon perfekt: Ich habe viel Zeit im Angels Home verbracht, bei meinen Freunden und zusammen mit Sister Macrina tansanisch gekocht.

Dann begann die Vorbereitung auf den Besuch meiner Familie (Mama, Papa, Bruder und die Freundin meines Bruders). Die Aufregung hielt sich lange in Grenzen, bis auf die letzten zwanzig Minuten vor dem großen Wiedersehen. Ich erinnere mich noch genau, wie wir den Fahrer meiner Eltern anriefen, weil so viel Stau war, und plötzlich standen sie da, auf der anderen Straßenseite, stiegen aus dem Auto und waren einfach da. Es fühlte sich unwirklich und gleichzeitig unglaublich vertraut an.

Visum abholen in Rusumo (Grenze Tansania-Ruanda)

Nach vielen Umarmungen ging es gemeinsam zum Immigration Office, um ihre Visa abzuholen und danach nach Kasulo zum Mittagessen. Dort trafen wir Sister Dativa, die Oberin der Schwestern in Rulenge, sowie Sister Thea.

Ich glaube, genau in diesem Moment hat meine Familie verstanden, was ich mit der großen Gastfreundschaft in Tansania meine: eine überwältigende Herzlichkeit, ganz viel Essen, tiefe Dankbarkeit, dass sie da sind, und wunderschöne Gespräche.

Und dann hieß es: Abfahrt und ab nach Rulenge. Alle waren echt aufgeregt und ich noch mehr. Da ich ihnen endlich zeigen konnte, wo ich lebe und mit welchen wunderbaren Menschen ich im Dorf zusammen-leben darf. Ich glaube, sie haben sofort verstanden, wieso ich hier so unfassbar glücklich bin.

Und ich kann nur sagen: Jeder Tag hier in Rulenge war so voll und intensiv und wurde nur noch besser. 😍

Am ersten Abend sind wir dann noch ins Barikiwa essen gegangen, ich habe ihnen erste Orte gezeigt und sie haben Father Denis (meinen Mentor) kennengelernt.

Mitbringsel aus Deutschland

Am Montag ging es zuerst ins Angels Home. Ich habe mich riesig gefreut, meiner Familie meine Einsatzstelle zu zeigen. Die Kinder waren alle auch ganz begeistert und aufgeregt. Besonders spannend fand ich, wie viel Respekt die Kinder meiner Familie zeigten. Zwei Männer dabei und alle deutlich älter als ich.

Danach besuchten wir den Orden der Bernadetten-Schwestern, liefen über den Markt und fuhren anschließend nach Ngara, um den Bischof zu treffen. Er nahm sich super viel Zeit für uns, es gab leckeres Essen und super spannende Geschichten. Den Abend haben wir gemeinsam mit meinen Mentoren im Barikiwa verbracht. Ein wirklich schöner Tagesabschluss.

Am Dienstagmorgen ging es zur Messe in Rulenge, gehalten von Father Denis, das war etwas ganz Besonderes. Am Ende durfte ich meine Familie sogar vorstellen. Nach dem Frühstück ging es ins andere Waisenhaus „Goya-Goya“. Für meine Familie war es eine ähnliche Überraschung wie für mich damals, vielleicht auch ein kleiner Schock, zu sehen, wie unterschiedlich zwei Waisenhäuser in einem Dorf sein können und welche deutlich besseren Arbeitsbedingungen es dort gibt. Auch dort führten wir ein sehr schönes Gespräch mit der Oberin.

Danach ging es ins Krankenhaus, und der Arzt dort nahm sich richtig Zeit für uns. Ich habe mich sehr gefreut, ihn meiner Familie vorstellen zu können, da er mittlerweile auch eine sehr wichtige Person für mich hier ist.

Mittags verabschiedete ich mich von den Kindern im Angels Home. Es fiel mir unheimlich schwer, denn einige gehen jetzt zur Schule, und ich werde sie eine Zeit lang nicht sehen. Gleichzeitig freue ich mich riesig für sie, dass sie diese Chance bekommen.

Am Abend wartete dann das große Highlight: ein Abendessen bei Mama Claudi und Baba Karisti, die hier wie meine Eltern sind. Es wurde ein unfassbar lustiger, schöner und hundertprozentig tansanischer Abend. Die Gastfreundschaft war einfach unglaublich: Einladungen, Essen, Geschenke, einfach alles für ihre Gäste.

Ja, und am Mittwochmorgen ging’s schon los nach Mwanza. Damit die Reise nicht zu langweilig wurde, sorgte ich dafür, dass wir unterwegs noch einige Menschen trafen.

Besuch bei Sister Dativas Familie in Lusahunga
Besuch der Gemeinde in Biharamulo und Joseph (Seminarist in Rulenge, rechts neben mir)
Evodius‘ Familie in Katahoka besuchen (Seminarist in Rulenge, rechts neben mir)

Beim Mittagessen im Katoke Seminar (vielleicht erinnert ihr euch noch an die Schule, in der ich nach der Pilgerfahrt einen Tag gearbeitet habe), wurden wir wieder reichlich mit selbst geschneiderter Kitenge-Kleidung beschenkt. Sie sangen für uns und freuten sich so sehr über unseren Besuch. Ein unvergesslicher Moment.🧡

Franziskanerinnen in Katoke Seminar

In Mwanza zeigte ich meiner Familie die Stadt: Bismarck Rocks, einen großen Markt, das Bukoba-Monument, Rooftop-Mittagessen, zwei Tempel und mal wieder Boda-Boda-Fahren, in das sie sich erneut verliebten. Abends genossen wir ein Abschiedsessen mit Fahrer Lennard und Sister Dativa, ein wunderschöner Abschluss, bevor wir in ein ganz anderes Tansania weiterreisten.

Tansanische Safari

Unsere Safari war ein unvergessliches Abenteuer. Wir starteten in Arusha und besuchten den Tarangire-Nationalpark, den Ngorongoro-Krater, die südliche Serengeti und das Ndutu-Gebiet. Anfangs war es für mich etwas herausfordernd. Ich kam direkt aus Rulenge, wo mein Leben deutlich einfacher und ruhiger ist, und plötzlich standen wir in Lodges mit Pool, Klimaanlage und Rundum-Service. Mir fiel es total schwer, das anzunehmen, wo ich doch tagtäglich sehe, wie die Menschen im Dorf leben und oft für Essen und Wasser kämpfen müssen.

Durch Gespräche mit meinen Eltern habe ich dann aber verstanden, dass die Menschen hier vom Tourismus, von Safaris, Lodges und allem, was Besucher in dieses Land bringt, leben. Genau das ist ihr Alltag und ihr Lebensunterhalt. Das half mir sehr.

Trotzdem war es ein ganz anderes Tansania als ich es vorher kannte. Überall waren Touristen, viele Deutsche und Weiße, die meisten konnten Englisch. Die Landschaft war weitläufiger, offener und alles war auf Besucher ausgelegt, von den Lodges über die Straßen bis zu den Aktivitäten.

Ein weiteres großes Highlight war das Schlafen in Zelthütten, wo man die Elefanten und Löwen aus seinem Bett hören konnte.

Außerdem hatten wir einen fantastischen Guide, der wirklich alles wusste, Deutsch sprach und so super lustig war. Seine erste Frage morgens: „Alles tiptop?“

Wir sahen die Big Five und unzählige andere Tiere und entdeckten jeden Tag neue Wunder der Natur. Das Glück war definitiv auf unserer Seite.

Ich habe die Zeit mit meiner Familie sehr genossen und ich bin unendlich dankbar, dass ich diesen Teil von Tansania erleben durfte und dass mir meine Eltern das ermöglicht haben.❤️

Zurück in Arusha haben wir am Geburtstag meines Papas noch einen Wasserfall und eine Kaffeefarm besucht.

Leider endete die Safari nicht ganz so schön, denn ich wurde krank. Trotzdem musste ich weiterreisen, um in mein Zwischenseminar in der Nähe von Dar es Salaam zu kommen. Die Reise war anstrengend, aber schließlich habe ich es sicher ins Hotel geschafft.

Zwischenseminar

Vom 16. bis 23. Januar fand unser Zwischenseminar in Bagamoyo statt. Mein Zustand hatte sich soweit gebessert, dass ich am zweiten Tag teilnehmen konnte. Bei einem „kulturbewussten Spaziergang“ lernte ich zusammen mit Loana, einer anderen Freiwilligen, Fatuma kennen. Der Austausch über ihr Leben und ihre Arbeit war gleichzeitig erschreckend und unglaublich bereichernd. Später saßen wir an einer alten Kirche am Meer, redeten lange und tauschten Erfahrungen aus. Ich war sehr dankbar für ihre Perspektiven, die viele Parallelen zu meinen eigenen Erfahrungen zeigten.🫶

Über Nacht verschlechterte sich mein Zustand leider, sodass ich ins Krankenhaus musste und am restlichen Seminar nicht mehr teilnehmen konnte.

Die anderen Freiwilligen nahmen an spannenden Einheiten teil, zu Themen wie Geschlechterrollen, Kulturaustausch oder der „Ich-und-Wir“-Kultur, und genossen gemeinsame Abende im Pool oder am Meer.

Trotz meiner Krankheit nahm ich viel für mich mit. In einem „Lebensfluss“ blickte ich auf mein erstes halbes Jahr in Tansania zurück, bekam wertvolle Denkanstöße von der Seminarleitung, besonders zum Konzept der „Ich-und-Wir“-Kultur, und konnte einiges mitnehmen, vor allem im Hinblick auf meine Mitfreiwillige, mit der ich zurzeit einige Schwierigkeiten habe.

Ich wurde liebevoll versorgt, konnte tolle neue Menschen kennenlernen, sowie die Freiwilligen aus Würzburg wiedersehen.

Nach anderthalb Tagen Erholung in Dar es Salaam, inklusive eines kleinen Spaziergangs am Strand, ging es sonntags früh zum Flughafen und weiter nach Mwanza. Dort wurde ich von Baba Karisti abgeholt. Wir aßen noch eine Runde Ugali mit Bohnen, natürlich mit den Händen, und sofort stellte sich wieder dieses vertraute Gefühl ein, wieder in dem Tansania zu sein, das ich kenne. Ja, und dann ging’s zusammen zurück nach Rulenge.🥰

bye bye Dar es Salaam

Zurück in Rulenge

Nach einer sehr anstrengenden Reise war ich so froh, wieder zu Hause zu sein. Ich wurde von allen so liebevoll empfangen und konnte erstmal Zeit alleine genießen, da Philippa noch im Urlaub ist. Ich habe alle meine Freunde getroffen, ganz viele Aktivitäten unternommen und einfach meinen Alltag gelebt, ohne jeglicher Einschränkungen. Das tat mir unglaublich gut.

In dieser Zeit durfte ich auch die NGO „Kivuko“ kennenlernen, die sich für eine bessere medizinische Versorgung in Rulenge einsetzt. Ich begleitete einen der Gründer, besuchte Haushalte und traf Kinder mit Handicap, arme Familien sowie schwer kranke, ältere Menschen. Trotz der schwierigen Lebensbedingungen beeindruckten mich ihre Wärme, Stärke und Lebensfreude total. Besonders berührt haben mich die Begegnungen und Gespräche, die Offenheit der Menschen und ihre Dankbarkeit für die kleinsten Dinge. Kiswahili zu sprechen öffnete mir dabei mal wieder alle Türen und ermöglichte echte Verbindungen. Ich freue mich sehr, „Kivuko“ in der kommenden Zeit weiter begleiten, noch mehr lernen und erleben zu dürfen. 🫶

Leider gab es auch eine große Tragödie: Die kleine Tochter meiner Freundin, 1,5 Jahre alt, starb plötzlich. Ich war mit ihr im Krankenhaus, und die Trauer mitzuerleben war unglaublich schwer für mich, besonders da ich das Kind gut kannte und am Tag vorher noch mit ihr im Hof gespielt hatte. Am nächsten Tag half ich bei den Vorbereitungen der Trauerfeier, die sehr traurig und zugleich bewegend war. Ich war sehr dankbar, dass ich da sein und meiner Freundin beistehen konnte. ❤️‍🩹

Trotz allem erlebte ich hier so viele schöne Momente, da ich einfach das beste Umfeld habe: die Spenden ins Angels Home bringen, Zeit mit den Kindern und Schwestern, Hausbesuche mit „Kivuko“, Kochen mit meiner Mentorin, viel Zeit mit meinen Freunden und besonders viele Stunden bei Mama Claudi und Baba Karisti. Als dann noch die Seminaristen nach vier Wochen zurückkamen, war ich noch glücklicher. ❤️

Seminaristen sind zurück😍
Lydia, Sarah, Sister Anita und ich
Besuch auf der Farm von Baba Karisti (ich hatte seit langem mal wieder eine lange Hose an, und es war sehr heiß 😅)

In den kommenden Monaten werde ich verschiedene Arbeitsstellen kennenlernen: zwei Wochen bei der Caritas arbeiten, ab März dann immer drei Tage im Krankenhaus und zwei Tage im Angels Home tätig sein und im Sommer in einer Schule unterrichten. Ich bin unglaublich dankbar für all diese Erfahrungen und die besonderen Menschen, die ich hier treffe. Ich bin immer noch so glücklich wie zu Beginn und in manchen Dingen sogar noch glücklicher.🤭😉

So, jetzt habe ich sehr viel erzählt, und mit all diesen wunderbaren Aussichten sage ich jetzt „bis bald“. Bleibt gesund und alles Liebe!💛

Joana

❤️

Kommentare

6 Antworten zu „8. Mein Januar in Tansania“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Liebste Hanni, mal wieder bin ich tief, tief von deinen Erzählungen berührt und wie toll, dass ich bei vielem ein Teil davon gewesen bin. Vor allem ist es so schön, dass ich diese Menschen jetzt alle kenne und zuordnen kann.

    Ich bin sehr gespannt wie dein Abenteuer weiter gehen wird!

    Bleib behütet, deine Mama ♥️

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    1. Avatar von jzoellerka
      jzoellerka

      🥹🥹🥹danke danke danke für die lieben Worte!!!
      Ich habe mich so gefreut, dass ihr da wart und endlich alle kennenlernen konntet. Fühlt euch immer von allen gegrüßt und ihr seid immer immer wieder hier willkommen❤️
      Ich bin auch sehr gespannt haha

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  2. Avatar von
    Anonymous

    Nochmals Danke an Dich, liebe Hanni, dass wir das alles erleben durften. Ws war eine unglaubliche Reise!

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    1. Avatar von jzoellerka
      jzoellerka

      Immer gerne wieder, das freut mich sehr!!

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  3. Avatar von loudlychief2c32b18620
    loudlychief2c32b18620

    Liebe Joana,

    herzlichen Dank für deinen ausführlichen und immer ehrlichen Bericht.

    Ich habe das Gefühl, du bist ganz bei dir und in Afrika angekommen.

    Das freut mich sehr. Habe eine wunderschöne Zeit im Neuen Jahr mit all den Menschen, die dir wichtig sind und denen du noch begegnen wirst.

    Herzlichst 🌺 Roswitha

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    1. Avatar von jzoellerka
      jzoellerka

      Vielen vielen dank für deine liebe Nachricht!

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